Kette auf Verschleissgrenze gelängt nach 3000 Kilometer ?? 272mm

  • Hallo zusammen,
    nach nun 3000 Kilometer auf dem Tacho, musste ich am Wochenende auf der Tour zu SW-Motech feststellen, dass die Kette sehr stark auf der Unterseite durchhing. Vor Ort habe ich den Kettendurchhang mal mit den SuperDukes der Testbikes von KTM verglichen. :foto:


    Ich habe die Kette nun nach Anleitung wieder gespannt und leichte unterschiedliche Längungen festgestellt. :denk:
    Die Kette erreicht beim Durchtesten (unterschiedliche Stellen) nun die untere und die obere Markierung.


    Die Bedienungsanleitung/Kettenverschleissmessung spicht von maximal 272mm bei einem Abstand von 18 Nieten. Die sind bei mir bereits erreicht (siehe Bild). Luft ist für die anvisierten 15-25000 Kilometer da nicht mehr !? :staun:
    Kennt denn jemand den Abstand bei einer neuen Kette? Habt ihr Vergleichsmessungen?


    Ist das ein Druckfehler in der Anleitung oder lag das am Garagenbier?:prost:
    Type: KTM SuperDuke GT Bj.2017
    Vom Fahrstil bin ich eher ein Durchschnittsfahrer und die ersten 1000 Kilometer waren oft im Regenmodus - als "Materialfahrer" würde ich mich nicht bezeichnen.


    Kettenlängung2.jpg


    2018-06-19 20_25_34-17_3213552_de_OM.pdf - dok_bike_bed_17_3213552_de_om__sde__aepi__v1.pdf.png(Bild aus dem Handbuch KTM Superduke GT 2017, Art.-Nr. 3213552de)

  • Jupp, hatte auch nochmal eine Zugwaage zur Kontrolle dran.
    Von der Logik her sollte das dann sogar den Abstand vergrössern (Spiel Buchsen u. Rollen.)

  • Hi,


    das sieht alles so sauber aus. Putzt Du täglich oder schmierst Du nicht?
    Wie ist Deine Kette üblicherweise gespannt? Manche spannen zu fest, das geht dann auf die Kette und auf die Ausgangswelle. Ich sehe zu, dass ich immer etwas Durchhang habe, allerdings im Rahmen, also zwischen den Markierungen. Irgendwo mittig, nicht zu stramm, nicht zu locker.


    Grüße
    Zwengelmann

  • Falls sich schonmal jemand, wie ich z.B. beim Kettentausch, gefragt hat, welches das theoretische Maß der neuen Kette ist, hier die Rechnung:


    525er Kette. 18 Rollen. Somit 17 Segmente zu messen.
    Segmentlänge gemäß DID Angabe = 5/8 Zoll.


    17 x (5/8) x 25,4 = 269,875mm


    Unterschied ist somit nur knapp 2,1 mm zwischen komplett neu und total verschlissen.

    KTM 640 EGS
    BMW 650 GS
    KTM 950 SM

    KTM 1290 SDR

  • Ich habe das volle Programm für das Kettenshooting durchgezogen :peace:


    Nee, im Ernst. Nach jeder Nassfahrt oder wenn die Sichtprüfung es verlangte, kam dann eine Behandlung mit Kettenspray - müssten so alle 200-500 Kilometer ca. gewesen sein.


    Ich habe die Kette jetzt einmal komplett mit S100 Kettenreiniger gereinigt und bin auf S100 Weiss wieder umgestiegen (vorher Motul). Bei den vorherigen Motorrädern hielten die Ketten ca 20-25000 Kilometer , waren allerdings auch 3 Pötte und weniger NM die an der Kette angriffen. :boxing:

  • Hab zwar eine SDR 2.0 aber auch bei 4000 km eine stark ungleich gelängte Kette mit einem Teilstück welches auch die 272 mm über 18 Kettenrollen hat.
    Durch die ungleiche Längung sind die straffen Bereiche genau am Index für min und die längeren schon über max.
    Im SDR Thread hat jemand geschrieben, der schon eine neue von KTM bekommen hat. Ich hätte dann aber gern gleich eine bessere, weil ich nicht glaube das die neue OEM beim zweiten Versuch die 10.000 km schafft.
    Habe aber noch keine Rückmeldung vom Händler bzw. KTM.

    ..:: Grüße, Tom

  • Irgendwie sieht das alles nach zu stramm gespannt aus, ausserdem ist der Zollstock vorne nicht in der Mitte des Bolzens angelegt.


    Die Kette ist ausserhalb vom Bild mit dem Gewicht stramm gezogen und um keinen Durchhang beim Messen mit dem Gliedermasstab zu haben.
    Wenn man genau hinschaut, dann ist die Mitte der 18. Niete auch nicht bei 272 sondern bei 274 - wenn du hier die 2 mm von Vorne abziehst, kommt es wieder auf die 272.. :guckst du hier:

  • Das wäre aber schon heftig wenn die jetzt schon durch wäre. Fahre jetzt seit knapp 10000km die erste Kette und bis jetzt ist noch alles gut :staun:


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  • Die verwendeten Regina Ketten sind nicht gerade für ihre Qualität bekannt. Stichwort kaufe nie eine Kette mit Mädchennamen.


    Bei meiner 1000er MZ war die Regina Kette damals nach unter 3000 km völlig hinüber. Die nachfolgende Enume Kette habe ich dann über 50 000 km gefahren.


    Da nach meiner Erfahrung Enuma auch qualitativ nachgelassen hat, würde ich zu einer DID Kette mit ordentlich gefräßten Zahnrädern greifen.


    Was viele nicht wissen. Kettenlängugn entsteht durch ausschlagen des inneren Kettengelenks, also Kettenbolzen zur Kettenhülse. Das ist eine mechanische Sache und einmal angefangen ist das der sichere Tod der Kette.


    Wenn es interessiert, das habe ich vor ein paar Jahren mal verfasst:


    Was heißt, die Kette ist ungleich gelängt? Das bedeutet, dass bei Der Kette einige innere Gelenke ausgeschlagen sind. Um zu verstehen, was da passiert ist, muss man sich erst mal den Aufbau einer Kette ansehen.


    Eines der am wenigsten technisch verstandenen und am schlechtesten gepflegten Teile am Motorrad ist die Antriebskette.
    Um zu wissen warum und wie eine Kette gepflegt werden sollte, muss man wissen was genau sie macht und wie sie funktioniert.



    Eine Motorradkette ist vielschichtig aufgebaut. Der Kettenbolzen bildet den Kern der Kette. Auf dem Bolzen sitzt die nächste Schicht, die Kettenhülse. Zwischen Hülse und Bolzen ist eine Fettfüllung eingearbeitet, die nach außen durch die Dichtringe (O, X, Z...) abgedichtet wird.


    Dadurch ist das innere Gelenk der Kette auf Dauer geschmiert.
    Auf der Hülse läuft aber noch die Kettenrolle, zur Seite hin bilden die Kettenlaschen den Abschluss. Da dichtet keine Dichtung etwas ab, die Fläche zwischen Rolle und der darunter liegenden Hülse muss geschmiert werden, sonst droht Verschleiß.


    Wie funktioniert eine Motorradkette?


    Die Rolle bleibt, wenn die Kette ins Zahnrad läuft, im Zahnradtal stehen, sie dreht sich also praktisch gar nicht beim Umlenken der Kette im Zahnrad. Die Hülse ist es, die sich bewegt. Sie bewegt sich minimal um den Nietbolzen und in der Rolle. Durch die extrem hohe Umlaufgeschwindigkeit der Kette sind die Hülsen eigentlich permanent in Bewegung, sobald das Motorrad fährt.
    Durch die Reibung zwischen den Hülsen und den Rollen entsteht Wärme. Wenn die Reibung durch mangelnde Schmierung groß genug ist, führt dazu, dass die Fettfüllung zwischen der Hülse und dem Bolzen sich ausdehnt und sogar flüssig wird. Irgendwann können auch die besten Dichtringe die Füllung nicht daran hindern, nach außen zu gelangen. Das Fett ist weg, der Verschleiß in der Kette nimmt rapide zu. Der Bolzen und die Hülsen, reiben aneinander und bekommen Spiel. Das Kettenglied wird sehr heiß, der Dichtring wird spröde und Wasser gelangt in die Kette. Der Abrieb zwischen Bolzen und Hülse rostet erst unsichtbar vor sich hin, bis erneut Wasser den Rost mit nach außen spült. An den Dichtringen und Laschen lagert sich der Rost ab, an den betroffenen Stellen hat der Bolzen zur Hülse Spiel.
    Die Kette hat sich gelängt, die Gelenke der Kette sind also ausgeschlagen. Eine Kette wird nicht durch das Auseinanderziehen des Stahls gelängt. Das Kettenglied bekommt zwischen Bolzen und Hülse Spiel, das ist Kettenlängung.
    Oft ist das nur an einzelnen Stellen der Fall, dann spricht man von ungleicher Kettenlängung.


    Schmiert man die Fläche zwischen der Rolle und Hülse, wird die Reibung minimiert und der beschriebene Effekt stark abgeschwächt. Wobei Öl besser schmiert als Fett oder Teflon.
    Der Schmierstoff muss unter die Rolle gelangen, um die Reibung zu minimieren. Das heißt, der Schmierstoff sollte zwischen Innenlasche und Rolle aufgetragen werden und nicht auf die Dichtringe.


    Ich sehe öfters, dass der Schmierstoff auf die Dichtringe gesprüht wird, das ist sinnlos. Der Dichtring an sich benötigt eigentlich keinen Schmierstoff.


    Vorteile und Nachteile der Schmierstoffe:


    Fett hat den Vorteil, dass es nach Ablüften des Flussmittels relativ gut haftet. Der Nachteil ist: es bindet Schmutz. Der Schmutz bildet dann eine Schmirgelpaste, welche die Kette aufreibt. Das führt zu Reibung - Wärme - Längung.


    Teflon hat den Vorteil, keinen Schmutz zu binden, ist aber ohne Korrosionsschutz und nicht wasserfest. Außerdem muss man relativ oft nachsprühen und man sieht nicht ob noch Schmierstoff auf der Kette ist oder nicht.


    Grafit ist zum Schmieren der Motorradkette eigentlich untauglich. Es bildet zwar einen Schmierfilm, bleibt aber auf der Oberfläche der Kette und des Materials. Es hat keine Kapilarwirkung und dringt nicht zwischen die Rollen und die Hülsen, wo die Schmierung hauptsächlich benötigt wird.


    Öl hat den Vorteil, fast keinen Schmutz zu binden, am besten zu schmieren und sich einfach entfernen zu lassen. Nachteil: es muss öfters aufgetragen werden.


    Hier greifen dann die Vorteile eines guten Kettenölers.



    Übrigens, wenn die Kette trotz guter Pflege nach kurzer Zeit durch ungleiche Längugn dahin ist, kann man davon ausgehen, dass zwischen den Bolzen und der Hülse kein oder zu wenig Fett eingebracht war.






    Allzeit gute Fahrt


    Heiko

  • Die verwendeten Regina Ketten sind nicht gerade für ihre Qualität bekannt. Stichwort kaufe nie eine Kette mit Mädchennamen.


    Auf meiner 1.0 Superduke war eine günstige DID VX Kette drauf und die hat bei mir ca. 20000 km erlebt und dann habe ich sicherheitshalber gewechselt, auf DID ZVMX.
    Wenn KTM jetzt tatsächlich Regina Ketten verbaut, dann ist das nicht schön, da die Dinger bekannt sind für ihre Qualität. :Daumen runter:
    Ich hatte auf meiner 2014 Tuono auch eine Regina Kette und die musste ich auch nach ca. 7000 km runter schmeißen, wegen ungleichmäßiger Längung. :tröst:

  • Hobbit :
    Echt ein toller Beitrag, vielen Dank. Wieder einiges gelernt was ich in dieser Detailtiefe nicht wusste.

    SD 1290-R <-- MTS 1200-S <-- VFR 1200 DCT <-- S1000RR <-- R1 <-- CBR 1000RR <-- VFR 800 <-- GSX 600F

  • Wirklich nicht viele KM für die Kette.
    Regina Kette hatte ich einmal drauf auf ner großen KAWA.
    Hat satte 4.500 km gehalten.
    Fahre seitdem nur noch DID.
    ISt bestimmt wie Reifen ein wenig Gefühls- und Glaubensfrage.
    Meine einfache ori VX hat ca 24tkm gehaalten, nun ZVMX drauf.
    Bisher 9 tkm und noch alles super.
    VG
    Stefan

  • Danke Heiko für deine Ausführung! So genau hatte ich das auch noch nicht betrachtet.
    Ich fahre auf der GT noch die Originalkette und die ist absolut in Ordnung.
    Habe jetzt fast 30T km runter und schmiere genau wie meine MZ1000SF mit Heikos CLS Öler. :Daumen hoch:

    MZ 1000SF - 84.600 km
    KTM 1290 SD GT - 29.100 km
    mz1000sf

  • Hallo,


    eines fehlt noch in der Theorie: Kettenrad/Ritzel zwingen die Kette in eine Kreisbahn. Die Kette ist aber ein Polygonzug. Die Kette gleicht das dadurch aus, das die Rollen auf den Zahnflanken hin-und herrollen. (Deshalb Rollen). Das ist die Ursache des Verschleißes an den Zähnen und an den Dichtungen sowie an der Außenseite der Rollen.


    Grüße
    Zwengelmann

  • Ich sprühe mein Kettenfett immer auf die Rolle und die Innenseiten der Laschen und das ganze auf dem inneren Kettenbereich. Also von oben sprühend auf den unteren Teil. Das sollte doch die beste Art sein um das Fett möglichst zw. Rolle und Hülse zu bekommen. Dabei bekommen die Dichtungen aber zwangsläufig auch etwas ab.

    ..:: Grüße, Tom

  • Wow :wheelie: nicht wirklich viele Km habe mit meiner SDR 1.0 55000km geschaft bis ich den Satz wechseln musste. Meine 2.0 hat jetzt 7000km auf der Uhr und musste noch nie Spannen.