Zylinderschaden - Gas während Ausfahrt nicht mehr angenommen - Kühlwasser rausgespritzt

  • Noch etwas,....

    Pitting kann mitunter im Getriebe, bzw. den Getriebezahnrädern und auch an der Nockenwelle bzw. den Nocken der Nockenwelle auftreten.

    Bei der Laufleistung Deines Motor halte ich dies für unwahrscheinlich, dennoch sind solche Hinweise richtig und kontrollieren kann man alles Mögliche. Allerdings geht es vorrangig darum den Schaden zu reparieren und die Ursache einzugrenzen oder gar gesichert festzustellen.


    Du hast den Motor sowieso ausgebaut und zerlegt, insofern macht es Sinn bei der Gelegenheit auch anderen Verschleiß zu kontrollieren. Aber von einen Ding zum anderen springen, schafft eher Verwirrung als Klarheit.

  • Moin Moin,


    also Kühlwasser ist auf jedenfall rechts rausgespritzt über diesen Überlaufschlauch der dort hängt. Mein ganzer Stiefel war mit dem Zeug voll. An dem Tag mit der Autobahn fahrt war noch alles gut, wahrscheinlich hat sich dort der Schaden entwickelt. Nächsten Tag sind wir halt Landstraße geballert und dort hat sie halt dann auch ordentlich auf den Kopf bekommen, wodurch ich wahrscheinlich den Schaden dann komplett gemacht habe. :D


    Sind jetzt eh alle Flüssigkeiten aus dem Moped raus. Ich werde mir den Kühlkreislauf ansehen, denke aber nicht das ich dort was finden werde. Das einzige was sein könnte wär doch das es irgendwo ein Leck gibt oder die Pumpe nicht funktioniert?

  • Nachdem Du es genauer beschrieben hast, also dass Kühlwasser durch den Überlaufschlauch gespritzt ist, nehme ich an da war die Zylinderkopfdichtung bereits durchgebrannt und so ist Kompressionsdruck ins Kühlsystem gekommen. Wodurch sich auch erklärt, warum die Kühlflüssigkeit aus dem Überlaufschlauch gespritzt ist. So wie Du berichtest, war es nicht wenig Kühlflüssigkeit die entwichen ist (ganzer Stiefel nass) und so erklärt sich auch warum dann nach der Weiterfahrt zu wenig Kühlflüssigkeit vorhanden war und schlussendlich der Motor überhitzt ist. Die Folge war das Schmelzen der Kolben-Oberkante, die sich am Auslass befindet. Immerhin ist jetzt wohl klarer, wie es zum Motorschaden gekommen ist.

  • Der LC4 Motor überhitzt schnell mit zu wenig oder ohne Kühlflüssigkeit. Wenn Du, nachdem Du den massiven Kühlflüssigkeitsverlust bemerkt hast nicht weitergefahren wärst, wäre die Sache mit dem Austausch der Zylinderkopfdichtung relativ harmlos und kostengünstig ausgegangen.

  • Der LC4 Motor hat insgesamt ein gutes Standing, ist robust und verträgt eine ganze menge Dampf. Wichtig ist immer wieder zu kontrollieren ob genug Motoröl und genug Kühlflüssigkeit vorhanden ist. Bei zu wenig Motoröl und/oder Kühlflüssigkeit nimmt der Motor sehr schnell Schaden- und teuer wird dann in der Regel auch.

  • Nachdem Du es genauer beschrieben hast, also dass Kühlwasser durch den Überlaufschlauch gespritzt ist, nehme ich an da war die Zylinderkopfdichtung bereits durchgebrannt und so ist Kompressionsdruck ins Kühlsystem gekommen. Wodurch sich auch erklärt, warum die Kühlflüssigkeit aus dem Überlaufschlauch gespritzt ist. So wie Du berichtest, war es nicht wenig Kühlflüssigkeit die entwichen ist (ganzer Stiefel nass) und so erklärt sich auch warum dann nach der Weiterfahrt zu wenig Kühlflüssigkeit vorhanden war und schlussendlich der Motor überhitzt ist. Die Folge war das Schmelzen der Kolben-Oberkante, die sich am Auslass befindet. Immerhin ist jetzt wohl klarer, wie es zum Motorschaden gekommen ist.

    Ich denke auch das es so passiert ist.


    Leider ist mir die Kühlflüssigkeit auf meinem Schuh erst aufgefallen als sie nicht mehr lief und ich auf der Landstraße stand :weinen::sensationell:

  • Ich hoffe, meine Beiträge waren hilfreich für Dich. Melde Dich gerne, wenn Du den Motor zusammengebaut hast, ggf. Fragen zum Zusammenbau entstehen. Übrigens, der Kühler muss vollständig mit Kühlflüssigkeit gefüllt sein, daher ist das Entlüften sehr wichtig, wird über eine Entlüftungsschraube am Kühlergehäuse gemacht. Den kleinen Ausgleichsbehälter fülle ich nie bis zur Oberkante sondern bis etwas unter der Max-Marke auf. Auch im Kühlflüssigkeits-System entsteht durch die Wassertemperatur ein leichter Überdruck, der über den Ausgleichsbehälter-Deckel abgegeben wird. Im Deckel befindet sich ein keines und einfaches Überdruckventil. Ist der Ausgleichsbehälter zu voll, wird etwas Kühlflüssigkeit über das Überdruckventil im Deckel abgeführt und triff über den Überlaufschlauch aus. Das ist normal und nicht weiter schlimm. Vermeiden kannst Du das, indem Du den Ausgleichsbehälter so fühlst, dass der Wasserstand ein wenig unter der Max.- Markierung steht. So entsteht etwas Platz, dass sich das heiße Kühlwasser ausdehnen kann. Das Überdruckventil im Deckel des Ausgleichsbehälter gibt gerne den Geist auf, liegt daran, dass alles aus Plastik ist und wegen der großen Temperaturunterschiede (Heiß beim Fahren/ Kalt wenn der Motor aus ist) mit der Zeit spröde wird und funktioniert dann nicht mehr vollumfänglich. Der Deckel ist nicht teuer und es ist un-schädlich den Deckel von Zeit zu Zeit zu erneuern.


    Wünsche Dir und Deiner KTM ein feines Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr

    Stefan

  • Danke, hab auch ein Werkstatthandbuch. Sollte nicht zu schwer sein Kühlwasser ordentlich wieder einzüllen. Ist im Buch alles im sehr gut erklärt, falls ich in nicht lösbare Probleme laufe würde ich mich melden.

  • Hey off-road-biker,.... lese Deine Beiträge immer wieder gerne. Deine Beiträge sind kompetent und zeugen von langer Erfahrung und Fachwissen. Du bist wertvoll für das Forum und ich hoffe, dass dies noch lange so bleiben wird. Beste Grüße aus Lüneburg und ein feines Weihnachten für Dich und Deine Familie....

  • Was ich nicht verstehe an der Theorie Kühlwasserentleerung bis ihm der Kolben schmilzt, hat der Zylinder anreibspuren? Und hat nicht eine Lampe am Tacho gebrannt? Ist dir nicht aufgefallen das der Lüfter anläuft oder sonstiges?


    Zitat Mahle:


  • Hoi Michael_990SD,.....

    wahrscheinlich kommt Mehreres zusammen. Der LC4 Motor geht wie die Pest, so wird er dann auch oftmals gefahren und bis an seine Leistungsgrenzen getrieben. Es gibt so einige unerfahrene Fahrer, die nicht nach Öl und Kühlwasser schauen, die den Motor nicht vorsichtig warm fahren sondern vom ersten Augenblick an in hohe Drehzahlen treiben. Nach dem Motto: was geht wird ausgereizt.


    Es könnte sein, dass....

    - der allgemeine Wartungszustand des Motors schlecht war

    - sich zu wenig und zu altes Öl im Motor befand

    - die Zylinderkopfdichtung bereits angegriffen war und dadurch Druck ins Kühlsystem gekommen war

    - schon bei Kauf und anschließender Fahrt über die Autobahn zu wenig Kühlflüssigkeit vorhanden war


    Die Fahrt am Folgetag (wie berichtet) mit ordentlich Dampf auf der Landstraße, der Kopfdichtung den Rest gegeben hat und anschließend das Kühlwasser relativ schnell ausgetreten ist. In einem solchen Zustand geht es rasend schnell, dass die geringe Kühlwassermenge komplett oder fast leer ist. Es bedarf dann nur wenige Kilometer Fahrt bis der Motor überhitzt und der massive Motorschaden entsteht. Es ist zu vermuten, dass bei allem Übermut keine Kontrollleuchte und auch nicht das Laufen des Lüfters wahrgenommen wurde. Das Zeitfenster (ohne Kühlwasser) bis zum Zeitpunkt, dass der Kolben schmilzt, ist klein.


    Wenn ein so massiver Schaden vorliegt, ist davon auszugehen, dass der Motor, ohne Rücksicht bis zum Äußersten strapaziert worden ist. Bis der Kolben schmilzt müssen sich extreme Temperaturen im Zylinder, bzw. Brennraum bilden.

  • Insgesamt war noch viel Glück im Spiel. Denn, der Motor hätte auch von einer Sekunde zur Nächsten fest-fressen können und so war das Risiko eines Sturzes bei hoher Geschwindigkeit durchaus vorhanden. Dann hätte nicht nur der Motor so ausgesehen wie er anschließend aussah, sondern der Fahrer ebenfalls. Es ist nicht selten, dass Motorradfahrer verunglücken ohne, dass dies durch die Verkehrslage oder Witterung zu erklären ist. In solchen tragischen Fällen, spielt oft ein abrupter Motorschaden eine Rolle.

  • Silver1000 hat das schon sehr gut erklärt. Eine Leuchte ging nicht an. Uns ist es auch nur aufgefallen wegen extrem lauten Fehlzündungen und viele hintereinander. Da dachte ich mir dann das kann ja nicht normal sein.


    Ich kann natürlich schlecht beurteilen wie der Vorbesitzer die Karre gewartet hat, jedoch ist sie scheckheftgepflegt und war immer in einer KTM Vertragswerkstatt.


    Ich würde jedoch die Karre weder in seine KTM Vertragswerkstatt bringen noch bin ich der Meinung das er sich wirklich darum gekümmert hat.


    Nachdem wir die Karre auseinander geschraubt haben war die so dreckig als ob sie niemals sauber gemacht wurde. Vor allem an Stellen wo man schlecht hinkommt. Die Kette war so schwarz sowas hatte ich noch nicht gesehen. Da hatte sich vorne am Ritzel schon so Gummizeug gesammelt vom Fett.

  • scheckheftgepflegt und war immer in einer KTM Vertragswerkstatt.

    DAS heißt leider nichts :weinen:

    Meine hat 80.000km runter und läuft wie Sau :staun:

    :ja: paar kleine Dinge hat sie gehabt, aber das lag an Fehlbehandlung in der alten Werkstatt :rolleyes: oder den Kipphebeln.


    Würde mir ja evtl. ne 690 Duke 5R holen, aber die gibts nur noch gebraucht und das ist immer so'n Spiel. Man weiß nicht wie die behandelt und gewartet wurde. Selbst Scheckheft heisst leider nichts, hab da schon die wildesten Sachen (mit)erlebt...

    War mehr als einmal der Fall, dass ich die komplette Inspektion direkt nach der offiziellen in der KTM Werkstatt nochmals überprüft habe und auch machen musste. Das zB die Kipphebelachsen verkehrt eingebaut wurden und/oder die Ventildeckeldichtung nicht 100%ig saß ist KEIN Einzelfall gewesen – bei versch. Motorrädern von versch. Besitzern. :sehe sterne:

  • Hi,


    ich wollte nun nochmal ein Update geben zu meinem Fall.


    Wie ihr wisste hatte ich das komplette Moped auseinander gebaut und folgendes gemacht:

    Nachdem ich alle Teile zusammen hatte, habe ich den Motor mit 2 mal durchgespühlt wobei ebenfalls noch wieder kleinere Metallteile herausgespühlt wurden. Hatte den Motor an einen Zementmischer montiert damit dieser sich dreht und sich alles innerhalb löst.


    Also ging es nun daran wieder das Moped komplett zusammen zu bauen. Dabei habe ich alle möglichen Dichtungen erneuert Ventilspiel geprüft mit neuen Shims.


    Koso Temperatursensor habe ich ebenfalls montiert.


    Nun Öl rein und Karre gestartet.


    Habe sie erstmal 2 Wochenenden komplett im Stand laufen lassen, wobei ich einmal 1km gefahren bin. Am Anfang zeigte mir der Temperatursensor bis zu 96 Grad an und sie Stand auf einem Feld entgegen der Windrichtung. Nach den 2 Wochenenden einlaufen lassen ging die Temperatur auf ca 75 Grad hinunter.


    Nun habe ich wieder einen Ölwechsel vorgenommen, dort waren zwar keine Metallteile mehr zu finden, jedoch sah das Öl so aus als ob ein minimaler silberner Film darin schwimmen würde. Kommt bestimmt durchs einlaufen.

    Ventilspiel nochmals geprüft und ich musste sogar wieder einen Shim austauschen.


    Letztes Wochenende dann das richtige Öl rein, Motul 300v 15W-60, hatte vorher irgendein billiges Öl benutzt zum einlaufen.


    Bin seit dem ca 300km gefahren ohne Probleme. Bin auch nochmal die SMC-R von einem Kumpel gefahren um einen Vergleich zu haben was Anzug und Geräusche angeht. Scheint alles einwandfrei zu laufen :Daumen hoch:


    Zur Zeit will ich sie 1000km einfahren und dann noch einen Ölwechsel machen. Hatte mir vorgenommen nicht höher als 3000 zu drehen, jedoch ist das Quatsch da sie halt erst anfängt bei 3000 so richtig zu laufen :lautlach: Drehe sie immer bis ca 4000 und wenn sie richtig warm ist auch mal bis 4500.


    Während dem ganzen Geschraube habe ich auch noch die Schwinge und Fußrasten schwarz pulvern lassen. Alle anderen Flüssigkeiten habe ich natürlich auch erneuert, Kühl-, Brems- und Kupplungsflüssigkeit.


    Auf die 1084€ für den Motor kamen durchs pulvern und Kleinteile noch ca 450€ drauf. Habe leider bei den ganzen Bestellungen den Überblick verloren, aber da habt ihr mal eine Preisvorstellung was mich der ganze Spaß gekostet hat. Pulvern waren so 240€, weil die Schwinge doppelt gepulvert wurde, da sie ja etwas rau ist.


    Kosten insgesamt ca.: 1534€


    Nun läuft sie wieder und ich bin erstmal glücklich. :peace:



    Edit 1: Ich musste im nachhinein noch zu KTM und den Gangsensor neu kalibrieren lassen. 10€ für die Kaffeekasse. Konnte zwar neutralen Gang einlegen aber die SMCR hat es Softwaretechnisch überhaupt nicht gerafft und deswegen musste ich sie beim einlaufen immer aufbocken, da sie sonst ausgeht wenn der Ständer unten ist und sie denkt das ein Gang drin ist.

  • Haben das Teil wo Zement reinkommt demontiert und den Motor da rangefriemelt. Mit paar Schrauben und Befestigungsgurten. Bremsenflüssigkeit rein und alle Öffnungen dich gemacht. Dann hat sich das Teil paar Stunden gedreht.


    Sah ein wenig abenteuerlich aus, aber hat ganz gut funktioniert. :lautlach: