Tja, dann werde ich mich auch ´mal auskotzen ;)
Ich fahre seit 2004 Motorrad, hatte damals noch vor bestandener A- Prüfung ohne großes Suchen eine 2003er Suzuki SV 650 S aus erster Hand erworben. Der V2 wuchs mir ans Herz, wurde in vielen Details verändert und seltsamer Weise hielt die Bindung zur SV bis letztes Jahr ganz probat. 54.000 km standen auf der Uhr und die Luft wurde zunehmend dünner für den "Aufsitzmäher", wie er hin und wieder genannt wurde. Der "Mäher" ging für seine bescheidenen 72 PS jederzeit beherzt zur Sache, ließ sich gefahrlos ausquetschen und gab einem das Gefühl alles gegeben zu haben. Von Dunlop Sportmax wurde auf Metzeler Z6 und schließlich auf Michelin Pilot Power gewechselt.
Im Sommer 2010 begann die grobe Suche nach einem vernünftigen Nachfolger. Wichtiger Kriterien waren ein modernes, werksseitig vernünftiges Fahrwerk, gute Bremsen und ein charakterstarker Motor.
Sollte es doch ein säuseliger Reihenvierer sein? Bei meinen beiden Autos ist schließlich der feinere Reihensechszylinder Pflicht, da könnte man ja .... aber nein. Ich wollte nach Möglichkeit in´s aufrechte Lager wechseln, da mir die Stummel in Ortschaften geradezu umgebracht haben. Die ersten Ideen waren Z750, Z1000, FZ1, GSX R 750, Honda CB 1000 R. Doch an allen Mopeds gab es etwas auszusetzen. Im Frühjahr 2011 hatte ich die Möglichkeit eine MV Agusta Brutale 910R zu kaufen. Die Probefahrt war super, die Entfernung zum nächsten Händler und die Inspektionskosten dagegen nicht. Nach langem Überlegen siegte die Vernunft. Es folgten Probefahrten mit Kawasaki Z 750, Aprilia RSV 1000 Tuono, Ducati 848, Ducati Monster 1100 evo, Ducati Streetfighter, Yamaha FZ1, Triumph Speed Triple. Die Aprilia gefiel mir überhaupt nicht, die FZ1 war mir zu glatt und die Ducatis... eigentlich wow. Eigentlich- die 848 musste ich nach wenigen km frustriert abstellen. Mit der traurigen Erkenntnis, dass ich mir dieses Moped auf der Landstraße nicht antun kann. Die Monster empfand ich als etwa zugeschnürt oben raus, die Streetfighter war mir ehrlichgesagt zu teuer. Und die Speedy? Zunächst hässlich und der Motor regelt wiederlich ab ohne Überhang.
"Schau dir doch den großen Herzog an", wurde mir öfters geraten. War das was für mich? Ich hasse Enduros, Supermotos und alles was dem ähnlich ist. Da ich die SD in die Ecke geschoben hatte, war sie immer abgeschrieben. Und dann schreckte mich noch die Sitzhöhe ab. Ok, zumindest sollte es ein 1000er V2 sein, die Reihenvierer hatten mich genervt. Aber ein spritziger V2, nicht einer allá Monster mit Serienmäßiger Zuschnürung. Drehfreudig sollte er sein und mit mit wehenden Fahnen in den Begrenzer rennen.
Die Suche lag auf Eis, da hatte ich von der Berufsgenossenschaft aus ein Motorrad Fahrtraining. Trotz Lustlosigkeit (mit der langweilig gewordenen SV) war ich dabei, als Sicherheitsbeauftragter gehört das zum guten Ton. Und da war sie! Ein Arbeitskollege hatte sich vor wenigen Wochen eine 2010er SD gekauft. So in Real und vor mir sah sie schon fett aus. Also hoch das Bein und rauf. Die Details waren auch aus Blickrichtung Maschinenbau fein gelöst, die Ergonomie passt auf Anhieb, die Optik gefällt- Probefahrt vereinbaren :)
Wie es der Zufall will hatte ich kurzfristig einen Nachmittag für mich, das Wetter war perfekt und mein KTM Dealer konnte mir spontan einen Termin geben. 17 Uhr den großen Herzog abgeholt und auf eine kurvige Strecke in den Spessart gestartet. Streckenkenntnis war stellenweise vorhanden, was die Sache noch angenehmer machte. Irgendwo hatte ich einmal gelesen, dass es beim großen Herzog nach 10 km "klick" machen sollte und man besessen ist. 10 km? Ok, grob überschlagen, ca. 3 Liter Öl, Trockensumpf... geben wir ihm mal die ersten 15 km maximal 5000 rpm. Und dann... was soll man sagen?
Genau mein Fall, eine Raue Sau mit gefühlt 0 Gramm Schwungmasse, aggressivem Hochdrehen, tollem Sound (zumindest onboard) und sehr schnittigem Fahrwerk. Die Bremse hatte es mir auch sofort angetan, an der Transparenz können sich andere eine dicke Scheibe abschneiden.
Wieder zurück musste ich natürlich Lagebericht erstatten. Außer "100%" fiel mir in dem Moment nicht viel ein, glücklicher war ich noch mit keinem Motorrad gewesen. Nach kurzem Überlegen und der Inzahlungnahme meiner SV gab es kein zurück mehr. Ökonomisch war der Kauf dazu. Mittlerweile stehen rund 3600 km auf dem Tacho und die Fahrfreude reißt nicht ab. Sie zwingt geradezu in einen aktiven Fahrstil, bummeln bekomme ich nicht hin.
MfG