Hi Benni,
keine Panik. Du hast nicht das verkehrte Motorrad gewählt. Vielleicht wäre eine Enduro R die passendere Variante, aber mit den richtigen Reifen geht wohl auch die SuMo.
Warum ich das schreibe? Ich plane eine noch viel längere Tour mit eben der Enduro R. Anfang Oktober geht's los nach Südamerika und dann für sechs Monate über den Kontinent.
Ich habe dabei viel im Netz gelesen und mir vor allem Erfahrungsberichte diverser anderer Motorradfahrer angeschaut. Als Tipp (mit viel Zeit) kann ich Dir einmal Lyndon Poskit's "Races to Places" empfehlen und zum anderen Oisin Hughes "Not dead yet" auf youtube. Bring viel Zeit mit. Mehrere Tage. Aber Du wirst es nicht bereuen wenn Dich diese Trips begeistern, was sie ja offensichtlich tun.
Zwei Sachen konnte ich daraus zumindest für mich bereits mitnehmen: Eine KTM690 IST geeignet für derartige heavy duty Touren (Lyndon benutzt eine modifizierte Maschine diesen Typs). Man sollte jedoch einige Vorbereitung treiben. Dabei ist es relativ egal wo sie eingesetzt wird. Ob im Simpson Desert in Australien, Südamerika, den Rockys , dem Atlas oder eben im Balkan bis nach Sibirien und die Mongolei. Das Motorrad hat viel Potenzial, vorausgesetzt man behandelt sie einigermaßen vernünftig. Darum habe ich mir Ende 2016 meine neu gekauft, denn ICH möchte derjenige sein, der sie einfährt und nicht irgendein Idiot ohne Gefühl in der rechten Hand. Das ganze Geseier von wegen "nimm ein altes Eisenschwein, die bekommst Du überall repariert" kann sich auch als totale Ente herausstellen. Nämlich dann wenn diese Maschinen dort, wo sie liegenbleiben noch nie gesehen wurden. Und ich bin selbst mit einer alten XTZ 750 unterwegs gewesen. Leicht zu reparieren? Witzig. Total verbaut träfe es eher. Der Rahmen im Heckbereich (also dort, wo das Gepäck nun mal befestigt ist) total unterdimensioniert, was zu teils abenteuerlichem Fahrverhalten führte. Es gibt IMMER ein Für und Wider. Das abzuwägen und den Rest einfach passieren zu lassen macht doch den Reiz eines solchen Projektes aus.
Eine BMW GS1200 ist es wohl eher nicht (als Beispiel). Oisin hatte mit seiner Maschine auf der Route nach Magadan jeweils einen Totalausfall des hinteren und des vorderen Dämpfers. Meine Vermutung ist, dass das hohe Gewicht der bepackten Maschine über Zeit auf den Waschbrettpisten dazu führte, dass die Dämpfer kollabierten.
Für meine Maschine habe ich mir einige Optimierungen überlegt. Dem vorangegangen war die Überlegung sie mit den Anbauteilen von Rally Raid UK in ein fernreisetaugliches Motorrad zu verwandeln. Oder die Teile von Kit690 zu nehmen. Oder... Doch dann habe ich mir die folgende Frage gestellt: "Was will ich, was brauche ich und wie komme ich vermutlich am besten durch?" Ok, sind ein paar Fragen in einer...
Für mich standen im Vordergrund:
- große Reichweite
- möglichst leichtes Motorrad
- Robustheit
- optische Unauffälligkeit (um es auch im Zweifelsfalle anständigen Leuten zu erleichtern anständig zu bleiben)
- möglichst optimale Budgetnutzung
Somit kam ich für mich zu folgenden Optimierungen:
- Safaritank (in Summe damit 26l Benzin an Bord), kostet neu ca. 800€, schützt durch seine Form auch den Wasserkühler, soll robuster sein als die Tanks von RR UK
- KTM Powerparts Windshield (reicht für die Geschwindigkeiten, die ich da fahre aus), ebay ca. 55€
- Seat Concepts Sitzbank (kostet 300€, ich muss meine originale Bank nicht einschicken und kann die danach noch verkaufen)
- Gleichrichter von Shindengen (es gab auch hier im Forum ein paar Ausfälle des originalen Bauteils)
- Profil Tankfilter als Einsätze in die Einfüllstutzen der Tanks (um die Benzinpumpe vor Verschmutzung beim Betanken aus Gefäßen unbekannter Herkunft zu schützen)
- Ersatzbenzinpumpe (40€ ebay)
- Kipphebel als Ersatz und die verbauten werden nachgekörnt
- Acerbis Handschützer (Touring irgendwas, kosten 80€ bei FC Moto und kommen mit zwei unterschiedlich großen Schalensätzen)
- Touratech Gepäckträger (nie wieder von diesem Lieferanten, 3 Monate Lieferzeit sind eine bodenlose Frechheit, dann lieber für 20€ mehr von KTM PP, ist der selbe Kram)
- Adventure Spec Magadan2 Taschen (leicht, wasserdicht mit herausnehmbaren Packsäcken, riss- und schnittfest durch Kevlargewebe, je 35l groß)
- vorderer Ritzelkäfig, um das Getriebegehäuse vor einer reißenden Kette zu schützen
- RR UK Motorschutz mit integriertem 2l Tank (für Öl oder Wasser oder was auch immer, in meinem Falle Öl)
- Lenkererhöhung, um auch im Stehen längere Zeit fahren zu können
- Schläuche in die Reifen, Flickzeug, Montierhebel und Ersatzschläuche
- kleiner Kompressor
- Zusatzscheinwerfer von bajadesign, kostet 175$
Alles in allem kommt einiges zusammen. Jeden Fall kann man nicht abfangen, aber man kann sich die Erfahrungen Anderer zunutze machen und darauf aufbauend seine eigenen Vorbereitungen treffen. Das finde ich allemal sinnvoller als mich von den ewigen Angstmachern irritieren und im Zweifelsfalle von meiner Reise abhalten zu lassen.
Viel Erfolg und immer eine handbreit Asphalt/Schotter/Sand/Schlamm unter den Reifen! 
Gruß,
Thomas