Auch mich hat das Problem nun erwischt. Lange Zeit dachte ich, mein Rahmen sei verzogen. Ohne eure Hilfe wäre ich nicht auf die Ursache gekommen, obwohl das Problem eigentlich naheliegend ist. Dass KTM hier die Verantwortung ablehnt, ist einfach lächerlich – zumal die Tanks auch nicht gerade günstig sind.
Es ist längst bekannt und gut untersucht, dass PA-6 Ethanol, wie es im Benzin enthalten ist, leicht aufnimmt.

Solvent uptake at the equilibrium as a function of the ethanol content in fuel for PA6 and HDPE immerged at 40°C in ethanol/toluene/isooctane mixtures.
(https://hal.science/hal-01931337/document)
Es ist bekannt, dass PA-6 nach der Aufnahme von Ethanol quillt und dadurch an Volumen zunimmt (Quelle). Ein Glasfaseranteil von nur 30 % hätte dieses Problem erheblich reduziert – KTM entschied sich jedoch offenbar dagegen, vermutlich aus Kostengründen. Mit den Folgen dieser Entscheidung müssen nun alle leben.
Wäre der Tank ein kleines, preiswertes und unbedeutendes Bauteil, wäre das weniger problematisch. Doch hier handelt es sich um ein zentrales Bauteil, das sogar den Lenker streifen und die Funktion beeinträchtigen kann. Auch wenn es vermutlich nicht so beabsichtigt ist, scheint KTM damit in Kauf zu nehmen, dass Motorradtanks eine Art Mindesthaltbarkeitsdatum haben. Ein ziemlich fragwürdiger Gedanke.
Es gibt eigentlich zwei Möglichkeiten:
- Kulanzanträge / Sammelklagen mit entsprechenden Belegen, dass ein Tank kein Verschleismittel ist / nicht darauf hingewiesen wird und KTM mittlerweile sicherlich schon viel Geld damit gescheffelt hat Ersatztanks zu verkaufen.
- Weiterhin das Problem DIY lösen. Es gibt viele beschriebene Lösungen, wobei eine, wo der Tank nicht beschädigt werden müsste, wäre noch die beste.
- Tank schrumpfen / deformieren
Das im PA-6 adsorbierte Ethanol wirkt als Weichmacher, wodurch das Material aufquillt und fließt. Diese Formveränderung ist nur teilweise reversibel. Man kann dies mit einem PA-6-Probestück testen; bei Gelegenheit werde ich das auch ausprobieren. Um das Ethanol aus dem PA-6 wieder zu entfernen, könnten die Tanks geleert und gut belüftet werden. Da Ethanol im PA-6 stabil bleibt, könnte die Kombination von Wärme und Vakuum diesen Prozess beschleunigen. Im besten Fall wird der Tank etwas kleiner; andernfalls bleibt nur das Ethanol im Kunststoff zurück.
Eine zusätzliche Möglichkeit zur Rückformung wäre, den Tank beim Trocknen in seine ursprüngliche Länge zu pressen. Da das Ethanol den Kunststoff erweicht, lässt er sich in diesem Zustand leichter verformen. Für reines PA-6 liegt die Übergangstemperatur bei etwa 45 °C, und mit Ethanol in der Polymermatrix noch etwas niedriger. Um ein Überpressen zu vermeiden, wäre eine Haltevorrichtung mit passenden Abständen hilfreich, die das Material in die gewünschte Form bringt. Zum Glück kann man so einen Tank relativ leicht abdichten und damit auch ein internes Vakuum leicht anlegen.
To Do
PA-6 in Ethanol einlegen und die physische Veränderung dokumentieren. Anschließend im Ofen / unter Vakuum trocknen und schauen, was passiert. Wenn es nicht reversibel ist, dann im Anschluss das Gleiche unter Krafteinwirkung testen.