KTM 990SMR Prop beim Schalten

  • So, heute nochmal die Öldüse rausgenommen, war aber freigängig - allerdings werde ich sie trotzdem bald austauschen, sieht von dem ganzen raus-/reingeschraube schon etwas ramponiert aus :kapituliere:


    Auf der Proberunde danach gab es wenig neues - aufgefallen ist, dass das Hochschalten bei normaler Motortemp eigentlich prima geht, das Runterschalten aber deutlich mehr Kraft benötigt. Könnte man aber mit etwas gutem Willen als knackig beschreiben... Nach einigem Stop & Go und entsprechend höheren Temperaturen verschlechtert sich das Trennverhalten wieder deutlich. Schalten wird schwer, das Motorrad zerrt nach vorn...


    Der spürbare Schleifpunkt der Kupplung ist witzigerweise aber immer auf halbem Hebelweg, somit völlig okay. Ich verstehe es einfach nicht mehr :motzki:


    Was bisher gemacht wurde:


    - Öldüse gereinigt und schlussendlich gegen ersetzt
    - Kupplung mehrfach entlüftet, zum Schluss Stahlbuxventil von Louis nachgerüstet (geht damit deutlich einfacher)
    - KGZ/KNZ mehrfach penibel geprüft (dicht & trocken)


    Bleiben also noch Kupplungsdruckverstärker, Kupplungsbeläge/-scheiben, Öl...

  • Wollte das Thema nochmal hervorholen, da es Neuigkeiten gibt.


    In der Winterpause habe ich nun doch den Sigutech-KNZ mit Stahlbus-Ventil verbaut, zudem habe ich aufgrund des benötigten 15.000er Services das Öl von Motorex PowerSynth 10w50 auf Motul 300V 15w50 umgestellt.


    Das Ergebnis:


    - Kupplungsdruckpunkt deutlich klarer
    - Trennverhalten wieder gut
    - Runterschalten kein Problem mehr, auch bei längerem Stadtverkehr
    - Motorrad zerrt an der Ampel nicht mehr nach vorn
    - Getriebe bleibt weiterhin leicht hakelig und es bleibt ein deutlicher Einlegeschlag vom Leerlauf in den ersten Gang - aber das wird einfach normal sein beim LC8 Getriebe


    Da die Probleme mit dem alten KNZ immer direkt nach dem Entlüften komplett weg waren und nach einer Probefahrt von 20-30km wieder auftauchten, hatte ich folgende Vermutung:
    Die verbaute Lippendichtung funktioniert nur, wenn von der Innenseite ein stetiger Überdruck herrscht. Die Kupplungsdruckstange hat im Betrieb immer etwas Spiel, entsprechend übertragen sich axiale Vibrationen (und damit schnelle axiale Bewegungen) auf den Druckkolben den KNZ.
    Das Ganze verstärkt sich durch die erhöhte Kippneigung aufgrund der Aluminium-Kunststoff-Paarung. Kunststoff dehnt sich beim Wärme grob gesagt im Faktor 10 stärker aus wie Aluminium, der Kunststoffkolben läuft also im Extremfall an der Zylinderwand an. Durch die kurze Baulänge und nicht perfekter Rundheit von Kolben und Laufbuchse verklemmt dieser und kippt dann wiederholt und fährt eher in einer taumelnden Bewegung ein/aus. Hier schummelt sich die Luft dann besonders gern vorbei...
    Durch die Luft in der Hydraulik geht einem so nach einer weile effektiver Kupplungshub verloren, da erst die Luft komprimiert wird, bevor die Kupplung abgehoben wird... Schalten wird dadurch schwergängig, der Druckpunkt matschig.


    Sigutech umgeht diese Probleme durch den Entfall der Ausrückfeder (Kolben bleibt in seiner Position und geht nicht stetig selbstständig mit der Kupplugnsdruckstange), durch die Verwendung von redundanten O-Ring-Dichtungen (2-3 Stück) und durch eine Alu-Alu-Paarung zwischen Zylinder und Kolben (gleicher Wärmeausdehnungskoeffizient).


    Gegengetestet habe ich das mit einem Kumpel während eines Bastelabendes. Kupplung mit KTM-KNZ entlüftet, KNZ mit einer geführten Stange gegen die Feder hereingedrückt und dann schnell losgelassen. Das ganze 10-12 mal wiederholt und schon war beim anschließenden zweiten Entlüften Luft im System... :Daumen runter: Ja, der Versuch ist nicht realitätsnah, spiegelt aber das mögliche Problem wieder und lieferte reproduzierbar Luft im System.


    Lange Rede kurzer Sinn: Sigutech verbauen, Öldüse immer brav reinigen und ordentliches Öl fahren, dann passt das :Daumen hoch: Perfekt wird das LC8 Getriebe wohl nie, aber die Schaltbarkeit ist jetzt wieder deutlich besser.


    Gruß
    Helge