Hallo,
na ja, die Kettenlängung hat indirekt schon was mit der Schmierung zu tun.
Wenn die Kette ins Kettenrad einläuft bleibt die Rolle im Zahnradtal stehen. Die Hülse (unter der Rolle) dreht, bzw. bewegt sich nun um den Bolzen, da ist die Fettfüllung, und sie bewegt sich auch zur stehenden Rolle. Das bedeutet erst mal, dass die Oberfläche der Rolle fast keine Reibung zum Kettenrad hat, da die Teile sich nicht zueinander bewegen. Der Nietbolzen und die Hülse sind duchr die Fettfüllung zueinander abgeschmiert. Die Fläche, die man da wirklich schmieren muss sind die Fläche der Hülsenoberseite und der Rollenunterseite.
Was passiert, wenn die Kette dort nicht geschmiert wird? Durch die Reibung wird es dort sehr heiß. Die Hitze sorgt dafür, dass sich die Fettfüllung einen Stock tiefer, also zwischen Bolzen und Hülse ausdehnt. Sie wird sogar flüssig. Das Fett drückt sich am Dichtring vorbei, der überhitzt bei der Aktion auch noch und wirs spröde. Das Fett schmiert nun das Gelenk nicht mehr ausreichend und Bolzen und Hülse reiben sich gegeneinander auf, bekommen Spiel. Das ist Kettenlängung, also das Spiel zwischen Bolzen und Hülse.
Die Laschen haben bei einer Motorradkette eine Zugfestigkeit, die selbst der stäkste Motor nicht lang ziehen kann. Daher hängt die Längung der Kette maßgeblich mit der Schmierung zusammen.
Das ist auch der Grund, weshalb bei einer guten Kette die Lebensdauer mit einem funktionierenden Öler deutlich ansteigt. Die permanente Schmierung zwischen Rolle und Hülse sorgt dafür, dass die Fettfüllung in der Kette erhalten bleibt, so bekommt man lange keine Längugn in die Kette. Natürlich ist die Lebensdauer auch mit Öler begrenzt.
Ich bin mit meiner alten ZX-9R im Testbetrieb 75 359 km mit der ersten Kette gefahren. Mein Ing. hat mit der ZZR-1100 86 400 km auf die erste Kette gefahren. Das entspricht etwa der 3-4 fachen Laufleistung einer Hanggepflegten Kette.
Mal kurz zu den Aussagen der Scottoilernutzer oben. Was bedeutet denn zufrieden oder er braucht wenig Öl? Das ist mir eigentlich nicht genau genug. Der Scottoiler in der einfachen Unterdruckversion lässt sich praktisch nicht genau einstellen. Bei einer Temperaturänderung ändert sich immer die abgegebene Ölmenge mit, da sich die Ölviskosität verändert. Von 10°C auf 30°C (ein Tag im Sommer von früh bis Mittag) scwankt der Ölfluss so um 410%. Wenn man nachstellt ist es eigentlich immer schon zu spät, da die Kette da schon zu trocken ist oder das Hinterrad schon trieft.
Ich bin mit meinem Scottoiler vor vielen Jahren mit einer Füllung von 50 ml immer so zwischen 1500 und 1700 km weit gefahren. Mit meinem CLS EVO Tour komme ich mit 80-90 ml Öl etwa 12 000 km weit, ohne den Tank ganz leer zu fahren. Ich habe praktisch noch nie einen Scottoilernutzer getroffen, der kein eingesautes Mopped hatte. Zumindest nicht nach ein paar hundert km. Es sei denn er hat unterwegs immer mal geputzt.
Dieser enorme Unterschied im Ölverbrauch ist doch keine Kleinigkeit, das ist der Unterschied zwischen ein paar Sprenkeln und einer Sauerei in der Felge.
Hier noch mal der Aufbau einer Dichtringkette: