Also erstens liest man das Kerzenbild weder von der fingerförmigen Masseelektrode
(die glüht im Betrieb immer und ist deshalb immer recht hell),
noch vom Isolator (der ist über den Wärmewert auf Selbstreinigungstemperatur gehalten),
sondern von der ringförmigen Masseelektrode:
Damit schraubt man praktisch ein Stück Brennraumwand raus
und daran kann man einen sehr, sehr groben Rückschluss auf das Gemisch ziehen,
das in der Zeit vor dem Rausdrehen der Kerze gefahren wurde.
Ist man da irgendwo herumgegurkt und hat auch ein paarmal fest Gas gegeben,
dann sieht man allerhöchstens irgendeinen Durchschnittswert.
Blick zurück:
Die Lehrmeinung sagt deshalb, dass man zum Eindüsen der Hauptdüse
ein Stück Vollgas fahren und dann den Killschalter betätigen und auskuppeln muss.
Dann rupft man die Kerze raus und guckt mit wissendem Nicken drauf.
Nimmt man dazu eine alte, schon länger gefahrene Kerze?
Natürlich nicht: Man will ja das AKTUELLE Gemisch sehen!
LeMans warmgefahren, am Autobahnparkplatz zwei neue Kerzen reingesteckt
und für 50 km weit konstante 180 km/h gebrettert;
zwar deutlich unter Vollgas aber schon DAS ist in Ö gar ned so einfach!
Nach 50 km Killschalter, auf den Parkplatz gerollt, Kerzen raus UND ...
... NIIIIIIX:
Die Kerzen sahen aus WIE NEU ... und das bei 1 Liter Ölverbrauch auf 1000 km!
Was ich damit sagen will:
VERGESST das Kerzenbild.
Das hat man früher besser anders gemacht und das macht man heute anders.
Wie kann man also sicherstellen, dass man das richtige Gemisch fährt?
1.) Man lässt die Mühle original und fährt das serienmäßige Magermapping,
das zwar nicht berauschend ist, aber doch zumindest so, dass der Motor hält.
2.) Sobald man ein anderes Gemischkennfeld haben will,
weil man mit dem serienmäßigen unzufrieden ist (ruckeln)
oder weil man irgendetwas umgebaut hat (ESD, Airbox, Luftfilter, Nocke, ...),
ermittelt man den IST-Stand auf einem Leistungsprüfstand mit Abgastester
und korrigiert das auf ein leistungsfreundliches Kennfeld (wie auch immer).
3.) Man montiert einen bereits am Prüfstand entwickelten, abgestimmten Kit,
wie´s angeblich der Vorbesitzer gemacht hat:
Der hat den kompletten (?) EVO-Kit montiert und das zugehörige (?) Mapping aufgespielt.
Bei Einspritzmotoren kommt noch etwas dazu:
Bis ca. Halbgas (mit EVO-Map offenbar bis 40%) laufen die closed-loop geregelt auf Lambda 1
und erst bei MEHR Last zählt das Mapping. Wenn man nicht auf der Rennstrecke unterwegs ist,
fährt man allerdings die überwiegende Zeit in diesem Lastbereich.
Will man das nicht, wofür gute Gründe sprechen,
zwingt man das System durch einen Lambda-Eliminator in den open-loop-Mode
und hat damit vollen Gestaltungsspielraum, was das Gemisch betrifft.