So Leute. Ich war dann am Wochenende bei MCE vor Ort. Aus 1,2 Stunden wurden dann eher ein Nachmittag und ein halber Morgen am nächsten Tag.
Nachdem meine Aussagen auf dem Prüfstand bestätigt wurden (und somit klar war, dass ich kein betrunkener Astronaut bin) wurde alles noch mal genauestens kontrolliert.
Er hat mir alle Änderungen, die er am Basisflash vorgenommen hat detailliert gezeigt und auch alle Änderungen zwischen den einzelnen Datenständen.
Der von mir aufgezeichnete enorme Spritverbrauch hängt definitiv NICHT mit dem optimierten Einspritzkennfeld zusammen. Das kann ich zu 100% bestätigen. Die Änderungen im Teillastbereich, gerade im Bereich der Einspritzmenge, sind so gering, dass ein dermaßen hoher Verbrauch dadurch nicht möglich ist.
Konkret wurde auf dem Prüfstand gemessen (alles ohne Lambdaregelung, ist klar):
Mit optimiertem Einspritzkennfeld:
Im Leerlauf teilweise Lambda <0,8 und auch im Teillastbereich sah es nicht besser aus. Lediglich bei Volllast waren die Werte einigermaßen in Ordnung.
Also: Alles VIEL zu fett.
Mit Serieneinspritzkennfeld:
Hier sollte ja dann nun alles recht nahe am "Soll" sein, wenn die Ursache des Problems das optimierte Einspritzkennfeld ist.
Das war NICHT so.
Die Werte waren minimal besser, aber immer noch total daneben - alles um ca. 0,05 Punkte Richtung Lambda 1 verschoben.
Also im Leerlauf Lambda 0,85, etc.
Mit Serieneinspritzkennfeld und serienmäßiger Lamdaregelung ist das zwar nicht in Ordnung, aber wird weggeregelt (Regelbereich +-30%).
Beim optimierten Kennfeld wird nun aber die Lambdasonde deaktiviert und nach festem Kennfeld gefahren, sodass ein Problem wie meines sichtbar wird.
Also wurden alle Sensoren und viele Anbauteile überprüft.
Umgebungsluftdrucksensor, Ansaugluftdrucksensor, Umgebungslufttemperatursensor, Drosselklappe, Ansauglufttrichter, Auspuff (KAT OK?).
Alles in Ordnung und plausibel.
Die viel zu fette Verbrennung kann also nur 2 Ursachen haben:
Zu wenig Luft (Ansaugtrakt verstopft, Ansaugtrichter verdreht) oder zu viel Sprit.
Zu wenig Luft kann ausgeschlossen werden, da dann zwar die Lambdawerte "zu fett" sind, aber das kann nicht den enorm hohen Spritverbrauch erklären, da die Einspritzzeiten (= Einspritzmenge) ohne Lambdaregelung fix sind.
Die einzigen zwei verbleibenden Komponenten im System, die solch ein Problem hervorrrufen können sind also:
Einspritzventil und Benzinpumpe bzw. Benzindruckregler.
Die Einspritzventil kann auch ausgeschlossen werden. Hier tritt bei einem Defekt meist eine verringerte Einspritzmenge auf (verdrecktes Sieb vor dem Einlass des Ventils), oder das Spritzbild wird schlechter.
Eine zu hohe Einspritzmenge kann also nur auftreten, wenn der Benzindruck zu hoch ist. So wäre die Einspritzmenge pro Öffnungszeit höher als es sein soll und das Moped läuft zu fett und braucht enorm viel Sprit.
Letzteres haben wir aus Zeitgründen vor Ort nicht mehr überprüft. Dafür spricht auch, dass die Lambdawerte bei Volllast recht nah an "OK" waren.
So. Jetzt die Frage: Was wurde aus diesen Infos nun gemacht.
Es gab nun ganz klar nur 2 Optionen:
a) Serienflash mit Lambdaregelung aufspielen
b) Fuelguard (Autotune) mit Breitbandlambdaregelung
Eine "Optimierung" auf einen Motor, der sich nicht so verhält wie er soll, oder zumindest nicht direkt nachvollziehbar, wäre absolut fahrlässig gewesen.
Das Serienkennfeld hätte hier richtung mager "optimiert" werden müssen, sodass die Werte passen. Bei Beseitigung der Ursache wäre ein Motorschaden die direkte Folge gewesen, was wir beide nicht wollten. Ich als Kunde nicht und er als Tuner genauso wenig.
Mit Lösung a) wollte ich ehrlich gesagt nicht mehr rum fahren, da das Moped serienmäßig einfach nur schlecht läuft.
Also entschied ich mich für Lösung b), was dann auch so umgesetzt wurde, auf meine Vorschlag und Wunsch hin.
Die Breitbandsonde wurde eingebaut und das Zusatzsteuergerät angelernt und das Basiseinspritzkennfeld aufgespielt (weil dieses magerer ist als das optimierte). Anstatt des oszillierenden Spannung der Sprungsonde erhält das Steuergerät nun ein absolutes Signal, welches konkreten Lambdawerten zugeordnet wird.
Auf dem Prüfstand sah danach alles super aus, aber die Einspritzmenge wird aktuell im Leerlauf und in Teillast immer noch ca. 15% ins magere reguliert, was viel mehr ist, als es sein sollte.
Alle anderen Änderungen sind nach wie vor aktiv: Zündkennfeldoptimierung, Gasannahme, Kühlerlüftertemperaturschwelle, Quickshifer deaktiviert, ...
Das Ergebnis klingt jetzt wenn man es so liest möglicherweise nach "ein Problem kaschieren und nicht lösen" und genau das ist es auch.
ABER: Es gibt mir nun viele Optionen, ohne wieder die Reise nach Österreich antreten zu müssen und noch einige andere Vorteile.
- Ich kann in Ruhe nach der Ursache suchen. Den Benzindruck werde ich messen und mit den Sollwerten vergleichen.
Falls hier die Ursache liegen sollte, wie wir es vermuten, so wird MCE mir noch mal das optimierte Einspritzkennfeld hinterlegen, sodass das Autotune weniger regeln muss und näher am Kennfeld läuft.
Da liegt der Ball jetzt bei mir. Werde mich in nächster Zeit darum kümmern.
- Es ist nun möglich, ohne jegliche weitere Änderung am Steuergerät, alle Änderung am Ansaug-, oder Abgassystem vorzunehmen, die mir vorschweben. Die Regelung ist sehr schnell und gleicht das alles aus.
Auch ein verdreckter Luftfilter (=Staubeintrag) kann kompensiert werden (natürlich in Maßen).
Das ursprüngliche Kaltstartproblem wird auch die gleiche Ursache haben.
Beim Motorstart ist die Lambdaregelung zunächst sowieso deaktiviert (auch Serie!), bis die Sonde aufgeheizt ist und die Zeitverzögerungssperre im Steuergerät durchlaufen ist. Erst dann wird nachgeregelt.
Beim Start läuft also alles fix nach Kennfeld. Hier kommt dann der Unterschied zwischen Serieneinspritzkennfeld und dem optimierten Kennfeld zum Tragen: Was bei Serie gerade noch funktioniert hat, funktionierte mit dem optimierten Kennfeld dann nicht mehr.
Als Fazit kann man also sagen:
JA - das Problem ist nach dem Steuergeräteflash aufgetreten.
NEIN - das Problem hängt nicht am Flash an sich, sondern in meinem Fall (!) an der deaktivierten Lambdaregelung, welche in Kombination mit einer technischen Abnormalität zu besagtem Problem geführt hat.
Wenn also mit dem Moped alles in Ordnung ist, dann funktioniert das auch ohne Probleme, wie es viele andere Kunden ja auch immer bestätigen.
MCE hätte mich, nachdem das Moped auf dem Serienkennfeld ebenfalls nicht lief wie es soll, auch heim schicken können mit einer Begrüdung wie "nicht mein Problem".
Hat er NICHT gemacht, sondern versucht die Ursache und eine Lösung zu finden und hierbei auch noch seine Kontakte involviert. "Geld zurück und Serienflash" war auch eine Option.
Von daher kann man nur sagen: Daumen hoch.
Was abschließend nicht 100% zu klären ist: Warum ist der Unterschied im Spritverbrauch erst nach dem 2. Flash aufgetreten? Wie gesagt: Ich hab die Kennfelder vor Ort selbst gesehen. Daran hat es nicht gelegen.
Das einzige was bleibt, ist ein "Defekt", der mehr oder weniger zeitgleich zufällig aufgetreten ist. Klingt mal wieder nach Sci-Fi, aber ehrlich gesagt würde es mich nicht wundern (wäre auch nicht das erste Mal bei mir): Ich hab den einen Fall von 10000. ;)
Ich halte euch auf Stand, sofern ich Neuigkeiten habe.