Die Bremsen, Teil II
Als erstes habe ich wieder mal das Vorderrad ausgebaut, also Bremssättel ab, Vorderrad raus, ABS Sensor usw. … siehe „Das Fahrwerk“.
Anschließend mit dem Vorderrad, Heißluftfön, 20er Torx Nuss, Verlängerung, Drehmomentschlüssel und einem Plastikhammer in den Hobbyraum. So sieht das Vorderrad mit den originalen Bremsscheiben aus:
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Dort dann Bremsscheibenschraube für Bremsscheibenschraube erst erhitzt, mit der 20er Torx Nuss, Verlängerung und dem Plastikhammer einen beherzten Schlag versetzt und anschließend mit Gefühl gelöst. Ging nach dieser Methode völlig ohne Probleme, hat aber ne Stunde gedauert für die 10 Bremsscheibenschrauben. Nachdem die Schrauben draußen waren habe ich die Bremsscheiben incl. ABS-Ring abgenommen, die Felge gründlich gereinigt (besonders da, wo die neuen Bremsscheiben draufkommen) und die neuen Bremsscheiben nebst ABS-Ring montiert. Die Braking Bremsscheiben sind laufrichtungsgebunden, Auch hier wieder der Hinweis: Sicherheitsrelevant, Drehmoment und Schraubensicherung beachten!
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Mit dem Vorderrad wieder in die Garage, die Brembo M4 Bremssättel, Titan Bremssattelschrauben und die vorläufige Spacer auch dabei. Dann alles einmal vormontiert, passt:
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Nun wusste ich ja, dass die Spacer 10mm hoch sein mussten, also konnte ich die bestellen. Auch die Winkel der Bremsleitungen an den Bremssätteln war nun klar. ich habe die alten Bremsleitungen vom ABS Modul bis zu den Bremssätteln ausgebaut und vermessen. Es ergaben sich 43 cm pro Leitung, tatsächlich waren die Leitungen von den Bremssätteln zum Verteiler und die vom Verteiler zum ABS Modul gleich lang. Die ausgebaute vordere Bremsleitung:
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Hier die Nachricht, die ich an Spiegler schrieb und anhand der sie mir (nach telefonischer Rücksprache) den konfektionierten Bremsleitungssatz liefern konnten:
spiegler.pdf
Geduld ist ja nicht meine Stärke. Die Bremsleitungen brauchten nur ein paar Tage, aber die Spacer … letztendlich war alles da und vor lauter Tatendrang habe ich keine Fotos von den Teilen gemacht. Egal, die neuen Bremsleitungen und die Spacer waren schnell montiert. Das Bremsleitungsensemble von Spiegler ist übrigens eine echt tolle Arbeit, passt 100%ig!
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Nachdem alles montiert war, entlüften, entlüften, entlüften. Zuerst an der Bremspumpe, wenn dort keine Luft mehr kommt an den Bremssätteln. Das ABS Modul hat keine eigene Entlüftung (oder ich hab sie nicht gefunden). Doch irgendwie fühlte sich das immer noch teigig an. Auch eine Probefahrt bestätigte nur, was vorher schon zu fühlen war: Ich musste den Bremshebel fast bis zum Anschlag ziehen damit überhaupt eine Bremswirkung eintrat. Das ABS Modul? Hatte ich einen Fehler gemacht? Irgendwas noch undicht? Der böse Watz? Kurz, nein.
Die originale Bremspumpe hat einen 18mm Kolben (der Hub ist mir unbekannt, ich schätze so 17-18mm) und ist damit auf die originalen Bremssättel mit 30/34er Bremskolben richtig abgestimmt. Die Brembo M4 haben 34/34er Bremskolben. Es gibt ein cooles Tool zur Berechnung, welches Kolbendurchmesser/Hub Verhältnis man für welche Bremskolbengrößen benötigt. Das warf aus, eine 19er Bremspumpe muss es schon sein, mit Hub 18-20mm. Genau sowas hat Brembo StVO-konform im Angebot, die radiale RCS19 18-20 Bremspumpe. Also bestellt, zusammen mit dem passenden Bremsflüssigkeitsbehälter und einem Adapter, der den Bremsleitungsanschluss an der Bremspumpe um 90° umlenkt, damit die Originalbremsleitung dranpasst. Als kleines Goodie noch dazu, dass die Bremspumpe zwischen 18mm Hub (weicherer Druckpunkt/weniger Handkraft/mehr Weg) und 20mm (härterer Druckpunkt/mehr Handkraft/weniger Weg) umgeschaltet werden kann.
Die RCS19 ist aber so gebaut, dass sie direkt neben der Gas-Armatur montiert werden muss. Sonst schlägt der Bremshebel am Gasgriffgehäuse an. Also musste der Notaus/Startschalter weiter nach innen wandern. Dabei traf ich wieder auf eine dieser unlösbaren Schrauben mit dem üblichen Procedere bis zum Ausbohren und Helicoil einsetzen … 4 Stunden Rumwürgerei bis der Schalter 3cm weiter innen am Lenker saß. Die Brembopumpe hat einen schworzen Hebel, also wurde der Kupplungshebel dann auch wieder gegen den Originalen ausgetauscht. Soviel Zeit muss sein.
Das Ergebnis sah dann so aus:
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Der Halter für den Bremsflüssigkeitsbehälter gefällt mir nicht wirklich, aber was solls, form follows function ...
Wieder mal entlüften bis der Arzt kommt, auf 18mm Hub gestellt und auf zur Probefahrt. Was soll ich sagen … WOW, genau so soll es sein. Glasklarer Druckpunkt ... nach ein paar Bremsungen, damit sich die neuen Beläge und Scheiben aneinander gewöhnen auch astreine, gut dosierbare Bremsleistung bei geringer Handkraft. Sagen wir, eine 2-Finger-Bremse.
Fazit:
Neben fahrtechnischen Verbesserungen und Optimierung von Sitzposition/Sicht nach hinten/Optik hat die Duke auch nicht unwesentlich abgespeckt. Allein die Bremsscheiben sind 500g pro Stück leichter, die Batterie satte 2,5kg, Cartridge und Federbein bringen zusammen auch nochmal 3,5kg, der Kennzeichenträger etwa 1kg. Macht 8kg, die ich nicht mehr abnehmen muss. Dazu kommen noch 2kg für Soziussitz und die Soziusrasten (ok, die zählen nicht wirklich). Die Fußrastenanlage bringt noch ein paar Gramm und die Spiegel auch, weil die Lenkergewichte wegfallen. Das verrechne ich aber großzügig mit den etwas schwereren Bremssätteln und sonstigem Krams, den ich angebaut habe.
Die Sitzhöhe ist auf 865mm an vorderen und 890mm am hinteren Ende der Sitzbank gestiegen. Die Maschine steht auch insgesamt etwas höher, das WP Pro Fahrwerk ist etwas straffer und die Maschine sinkt im Stand etwas weniger ein. Die Schräglagenfreiheit ist ebenfalls höher.
Wirklich spannend wird es nochmal im Frühjahr, wenn ich beim TÜV vorstellig werde und mir die Bremsanlage eintragen lassen möchte. Nach Lage der Dinge sollte es dort aber keine Showstopper geben. Ich habe im Vorfeld mit dem TÜV telefoniert, es wird eine Einzelabnahme werden. Ich bin nicht ja auch nicht der erste, der etwas in der Art eintragen lassen möchte.
So, und jetzt mach ich das Gekabel am Lenker ordentlich!
Grüße
Vilo