Kofferreparatur

  • Ich habe vor ein paar Jahren bei meinem Freund Sascha Kraus von Plastec eine Verkleidung meiner MZ 1000S repariert (da wusste ich nicht, dass das Teil noch neu für kleines Geld verfügbar ist). Kunststoffschweißen ist sehr schwer. Die Temperatur muss exakt passen, zu viel oder zu wenig Temperatur hällt es nicht und es gibt keinen zweiten Versuch, mann muss den missglückten Bereich wegschleifen und es neu versuchen. Ich will Dir das nicht vermießen, ich will Dir nur sagen, dass das viel Übung braucht. Ich habe das auch mal probiert und das hat nicht funktioniert. Übe das vorher mal ein ein paar Stücken. Man braucht außerdem für jeden Kunststoff andere Schweißstäbe und ich denke auch andere Temperaturen. Ich bin mal gespannt was Du sagst, wenn Du da dran warst.

    Allzeit gute Fahrt

    Heiko

    CLS-Chain Lube Systems, Heiko Höbelt e.K.

  • Habe in Konstruktion und additiver Fertigung schon die ein oder andere Erfahrung machen dürfen. Aber eben alles mit Maschinen gefertigt. Nicht von Hand.
    Habe das richtige Material zum aufschweißen (PP). Der Koffer besteht aus PPTX20.

    Ich habe gestern Abend:

    - Riss an den Enden mit 5mm ausgebohrt um den Riss damit zu unterbrechen.
    - von innen Edelstahlmeschgewebe über die Bohrung geschmolzen und die Bohrung mit PP aufgefüllt.

    - S förmige Klammern (0,8 & 0,5mm) entlang des Risses ins geschmolzen.

    - von innen reichlichzusätzliches Material über die Klammern gebracht.

    - von außen Material in den Riss eingeschmolzen.

    - geschliffen, geschliffen, geschliffen


    Lesson learned:
    Das PPTX20 der Koffer ist durch die 20% Talkumbeimischung wirklich schwer zu bearbeiten.

    Es schleift sich fast wie eine Art Kautschuk und geht erst bei sehr hohen Temperaturen eine richtige Bindung ein.
    Richtig gute Bindung habe ich an manchen Ecken erst erreicht, indem ich einen Gasbrenner zur Hilfe nahm und das neue Material (PP ohne beimischung) bis kurz vor dem Flammpunkt aufgeheizt habe.
    Der Riss ist jetzt von innen geklammert, teilweise Meshgewebe eingeschmolzen und beidseits mit zusätzlichem PP Material gefüllt. (innen natürlich viel mehr)
    Ich denke, der Riss ist nun dauerhaft stabil und natürlich auch dicht.
    Leider hat der Koffer durch die Bearbeitung (wohl auch durch meine fehlende Erfahrung mit soetwas) etwas Form eingebüßt. er hat eine kleine Delle, da ich dort wohl etwas zu viel Temperatur auf die Fläche verbracht habe und er muss definitiv gespachtelt/gefillert werden. Ich bekomme es mit dem Gerät einfach nicht hin, eine gleichmäßige Oberfläche zu modelieren und gleichzeitig neues Material aufzubringen, es heiß genug zu bekommen und eine gute Bindung zu erreichen.

    Das Thema Riss halte ich für erledigt und den Koffer wieder für stabil.
    Nun muss ich die Oberfläche wieder halbwegs gespachtelt/gefillert bekommen und beten, dass Lack darauf hält.

    Theoretisch könnte man ihn auch stufenweise bis 2000er Körnung schleifen und abflammen. Dann sieht die Oberfläche fast aus wie original. Dafür habe ich den Koffer aber leider an manchen stellen doch zu sehr vermackt.


    Klammern von innen

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    Riss mit Bohrung unterrochen

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    Erster Schliff

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    Nach dem Füllen und grobschleifen von außen

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    Rächen Sie sich doch, indem Sie mir ebenso weitläufig antworten.

    "Wer andauernd begreift, was er tut, bleibt unter seinem Niveau." Martin Walser

  • Nicht wundern, dass ich aktuell hierzu nichts schreibe. Die Koffer liegen noch an der Arbeit mitsamt Haftvermittler, Lack, Spachtel etc.
    Hatte nur bisher weder Zeit noch Nerven für das Projekt und ein bischen was muss man sich ja für den Winter aufheben.


    Nicht das einen noch die Biker-Winterdepression erwischt und man anfängt wilde Diskussionen über KTM-Konkurs, schlechte Verarbeitung, zu hohe Preise, einlaufende Nockenwellen und andere Dinge, von denen man meist keine Ahnung hat, vom Zaun zu brechen.


    :peace: :kapituliere: (nicht zu ernst nehmen :Daumen hoch: )

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  • So. Gut Ding braucht halt Weile oder zu deutsch: Ich hab die Koffer nicht gebraucht, also lag das Projekt ewig in der Ecke herum. :crazy:
    Da ich sie diese Woche aber benötige, habe ich das Projekt kurzerhand zum Wochenende wieder aufgenommen und zuende gebracht.

    Bis dato geschehen:
    Habe den Bruch/Riss an den Enden ausgebohrt, von Innen S förmige Kunststoffklammern und ESS meshgeweben eingeschweißt, mit einem Kunststoffschweißgerät PP Filament in die Naht verbracht, den Koffer-Deckel geschliffen.

    So weit waren wir ja schon.

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    Die Tage habe ich dann gespachtelt und geschliffen.... ungefähr 5 durchgänge :sehe sterne: Hierfür unbeding Spachtel für PP Kunststoff nutzen!
    Danach kam Haftvermittler / Primer auf den Koffer. Wichtig: Auch hier Primer für PP Kunstoffe nutzen!
    Unbedingt mindestens zwei mal im Kreuzgang sprühen und jeweils min. 10min ablüften lassen. Am besten das PP vorher mit Heißluft oder Gas abflammen.(erhöht die Oberflächenspannung)
    Dann kam 2k "Raptor-Lack" auf Epoxy basis auf den Kofferdeckel.
    Meine Erfahrung damit: Teufelszeug!! Unbedingt vorher Probe sprühen und ne Dose mehr bestellen.

    Das Zeug ist dick wie Caramel und der Sprühabstand ist verdammt wichtig und sollte am Anfang wirklich SEHR HOCH gewählt werden.

    Je näher man am Objekt ist, desto gröber wird das Muster. Dafür hat man am Ende eine wirklich harte und strapazierfähige Oberfläche.

    Da die original KTM Logos auf den Koffern die Demontage nicht überlebt haben und eins ja sowieso über die Straße geschliffen wurde,

    habe ich das Logo kurzerhand aus orangem PETG auf ein Druckbett gedruckt, dass auch so ein grobes Finish (ähnlich dem Raptor Lack) verursacht.

    Die Blenden haben noch Steinschlagschutzfolie bekommen.


    Ich bin absolut zufrieden mit dem Ergebniss, habe ettliches gelernt und auch noch das Geld für neue Koffer gespart.
    Aber seht und entscheidet selbst:

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  • Dankeschön. Die Koffer haben jetzt auch schon eine mehrtägige Tour ohne Probleme mit gemacht und kommen heute Abend wieder mit. Der Aufwand hat sich also gelohnt.
    Der Raptorlack erweist sich als wahres Wundermittel und ist deutlich unempfindlicher als die PP Kunstoffoberfläche des Koffers selbst.
    Hätte ich gewusst, dass das so gut wird, hätte ich die Koffer rundherum (außer den Blenden natürlich) damit gelackt.

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