Hallo Leidensgenossen,
Ich mogele mich hier mal als Husky-Fahrer rein.
Wenige Tage nach einem Sturz mit unbemerktem, langsamem Kühlwasserverlust, habe ich Späne im Öl gefunden, als ich kurz vor dem Urlaub nochmal Öl und Filter wechseln wollte. Ob es zu spät war, oder Glück im Unglück, möchte ich in den kommenden Wochen herausfinden.
Ich werde hier gelegentlich darüber berichten und meine gemachten Erfahrungen teilen. Vielleicht hilft es jemandem in Zukunft, wenn er bei der Demontage des Motors irgendwo nicht weiter kommt. Vielleicht findet sich auch der ein oder andere Interessierte, der mir auch mal mit ein paar Tipps aushelfen kann.
Ich habe keine Erfahrung bei Motorarbeiten, auch wenn ich sonst viel selbst Schraube. Ich habe viele Infos gesammelt und versucht, mich im Rahmen meiner Möglichkeiten vorzubereiten. Versteht meine Posts also bitte nicht als Anleitung, sondern als Dokumentation meines Problems.
Mein Ziel ist es, den Motor instandzusetzen. Wenn das nicht klappt, wird nach einem Austauschmotor gesucht.
Was ist passiert? Ich bin bei langsamer Fahrt gerutscht, gestürzt und alles schien okay. Wenige Tage und geschätzte 100-200km später wechsle ich das Öl und die Filter und finde Glitter in den Sieben. Vor allem im vorderen Sieb. Also erstmal den Matsch runter waschen, trocknen lassen und die 701 rein fahren. Zwei Tage später ist immernoch Wasser am Kühler. Mist, der Kühler ist nur noch halbvoll mit Wasser. Der Griechenlandurlaub fällt flach.
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Mich beunruhigen vor allem die glänzenden Späne und das riesige Kneul unten im Bild. Eventuell Reste von dem unzureichend gehärteten Ventilshim der vor 14.000km gewechselt wurde? Ne, das ist 3 Ölwechsel her.
Die Späne sind auch nicht magnetisch.
Und der große Span? Irgendwas aus dem Kupplungskorb? Vermutlich nicht, der hätte im seitlichen Sieb sein müssen, wenn mich nicht alles täuscht.
Google hat mich nicht viel weiter gebracht und bei nicht magnetischen, glänzenden Spänen im vorderen Sieb gucken mich die Werkstattmitsrbeiter entgeistert an. Drei Werkstätten, eine Aussage: "Motorinstandsetzung? In dieser Jahreszeit? Bring die Karre in ein paar Monaten wieder".
Das Bike wurde also erstmal gefrustet weggestellt und ignoriert.
Nach langer Pause ist jetzt die Zeit und Motivation da, mich damit auseinanderzusetzen. Hilft ja alles nichts. Auf der Haben-Seite:
Ich will jetzt wissen wo das her kommt und kann dabei was lernen.
Nach dem Ausbau des Motors und dem Öffnen des Ventildeckels sieht es erstmal ... teilweise okay aus. Mit Ausnahme der Ventilshims auf der Auslasseite. Dazu später ein Bild.
Erstmal die Bleche der Wellen entfernen und die Nockenwelle rausziehen. Die sieht für meine amateurhaften Augen nach 28.000km ganz gut aus. Keine mit dem Fingernagel spürbaren Riefen. Die kommt erstmal an die Seite. Damit beschäftige ich mich später.
Die großen Lager beider Wellen haben fühlbares und hörbares, aber kaum sichtbares Spiel. Was sagt ihr? Ob ein Lagerwechsel reichen wird? Mal schauen, ob ich irgendwo ein Toleranzmaß für die Wellendurchmesser finde.
Erstmal weiter auseinandernehmen. Kipphebelschrauben lösen, Welle nach links Schieben und den Kipphebel rausziehen. Dabei noch kurz drüber aufregen, dass die Innensechskantschraube, die den Kipphebel hält, vom freundlichen mit den drei Buchstaben offenbar mit einem Torx-Bit verformt wurde. Die kommt weg.
Ventilshims und Kipphebel sehen spannend aus und haben mir ein "was zum... !?" entlockt. Da hätte ich keine 2.000 km auf die nächste Wartung abwarten wollen. Hundertstel mm Toleranz? Ne, da kannste den Zollstock holen. Der Kipphebel fühlt sich an, als wenn man mit dem Fingernagel über grobes Schleifpapier kratzt. Ob das wohl Folgen der vorher - nicht auf Kulanz - gewechselten, unzureichend gehärteten Originalshims sind? Die hatten mich vor 14.000km schonmal mit Spänen im Öl zum freundlichen Orangenen geführt. Naja, der Kipphebel muss ausgetauscht werden. ![]()
Die Auslass-seitigen Shims sehen entsprechend aus. Schöne Suppenschüsseln haben die Hebel daraus geklöppelt. Das kam auch nicht über Nacht. Der Anfang verspricht schonmal keine Langeweile ![]()
Immerhin, die Hebel auf der Einlasseite sind oben und unten noch top. Der linke reflektiert nur. Der ist auch spiegelglatt und schwarz.
Schrauben raus, Madenschrauben raus, Stifte raus und runter damit, dann ist auch die Ausgleichwelle raus. Ich habe die Stifte unter den Madenschrauben mit einem Inbus rausgepopelt. Ging mit etwas Gefühl ganz gut. Ich empfehle aber einen Magneten oder eine lange Schraube. Die haben ein Innengewinde. Ich schätze M4?
Ich besorg mir erstmal nen Magnetheber.
Für heute habe ich genug. Ich hoffe, ich komme Mittwoch wieder zum Schrauben, um mir Zylinder und Kolben anzuschauen. Ich hoffe, dass die nicht so wild aussehen wie der Kipphebel. Wobei mir Kolben und Zylinder als Ursache eigentlich fast sympathisch wären. Die kriegt man zu einem akzeptablen Preis neu. Aber solche Flocken vom Zylinder!?
Falls die Späne doch einen goldenen Farbstich haben sollten, den meine schlechten Augen nicht erkennen, werde ich mich nach einem Motor umsehen müssen. Oder ich schaue gleich nach einem neuen, fahrbaren Untersatz. Mit zwei Zylindern? Was sagt ihr?
Ich nehme auch noch Wetten zur Ursache an, falls jemand eine Idee hat.
Naja, bleiben wir mal ergebnisoffen ![]()
LG derkaderk