Kette, Ritzel und Verschleiss

  • Hi Leute,


    vieleicht hat der eine oder andere den Tuning-Thread zum 40er Ritzel gelesen, in welchem wir am Ende beim Riemenantrieb, Oberflaechenbeschichtungen und last but not least dem Fett gelandet sind.
    Seit mir dabei ein Gehirnfurz ueber verschleissfeste Oberflaechen rausgerutscht ist, laesst mich die olle Kette und ihre Ritzel
    nicht mehr richtig los


    Seitdem kreisen folgende Fragen in meinem Kopf:


    1) Wer geht eigentlich zuerst in die "Knie", die Kette, das Motorritzel oder der grosse Bruder am Hinterrad?
    2) Wird die Kette durch die Motoren-Belastung gestreckt oder "strecken" verschlissene Ritzel die Kette?
    3) ... oder werden die Ritzel durch einen zu sehr gestreckte Kette verschlissen?
    4) Ich gehe mal davon aus, das die Kette und ihre Streckung der Schwachpunkt sind. Werden die Ketten nicht vom Hersteller
    schon "vorgestreckt" ausgeliefert?
    5) Wuerden eine Oberflaechenbeschichtung (wie sie bei Fraeswerkzeugen etc. verwendet wird) der Ritzel und Rollenkoerper
    der Kette, den Effekt der Streckung nicht reduzieren?
    Da ich glaube, das die Reibung zwischen Kette und Ritzel den Abstand der Ritzelzaehne zueinander vergroessert,
    indem Material herausgeschliffen bzw. gerieben wird. Ist der nun der Abstand zwischen den Zaehnen groesser wird die Kette
    immer mehr gestreckt, ob sie nun will oder nicht.
    6) Kennt jemand "verschleissfestere" Ketten, Ritzel bzw. Kettensaetze ... eine Art "Best of its class"?



    Wie im 40er-Ritzel-Thread schon erwaehnt, denke ich das das Potential der Kette hinsichtlich Verschleiss noch nicht ausgeschoepft ist
    Freue mich auf euere Meinungen, Erfahrungen und Ideen.


    Gruss uebern Teich,
    Rolle

    ... alles :kacke: , Deine Elli

  • Mein Vorschlag wäre:
    man nehme einen 530er Kettensatz und einen Scottoiler, dann sollte das ganze schon recht lange halten
    :peace:

  • Hmmm, dazu habe ich mir auch schon unzählige Gedanken gemacht aber in der Praxis klärt sich so manches von selbst, hier nur ein kleines Beispiel, ein Freund hat mit seiner 750´Four weit über 80.000 km mit nur einem Kettensatz gefahren, dass Geheimnis hier ist oder war ein geschl. Beckerkettenkasten, kein Schmutz und somit kaum Reibung, ergibt wenig Verschleiß. Denk mal an die einfachen Steuerkettchen für die Ventiltriebe und dann an deren Dimensionierung.

  • Hi BlackShadow,


    der olle Kettenkasten ist mir auch kurz durch den Kopf geflitzt. Ich denke Du stimmst mir bestimmt zu, dass der Fett-Kasten
    nie eine Auszeichnung fuer "optisch gelungenes Design" gewinnen wuerde ... und wenn er noch so praktisch ist.
    Habe mal ein wenig nach Kettenkaesten gegoogelt. Das arme Teil geriet in Vergessenheit als die ersten O-Ring-Ketten auf den Markt kamen.
    Der Kuckkuck war sogar mal in einem FireBlade-Forum einen Thread wert.
    Von der Optik her ist der olle Kasten dort auch in der Luft zerissen worden ... sieht halt wirklich aus.
    Einer von ihnen gab zu Bedenken, das selbst wenn sich jemand tatsaechlich so einen Kasten um die Kette und Ritzel friemeln wuerde,
    derjenige aber auch daran denken sollte, das das Fett sehr warscheinlich durch Reibung, wenn ueber laenger Zeit am Kabel gezogen wird,
    zu heiss werden wuerde.
    Mit der Folge, dass sich der Rotz durch jede Ritze aus dem Kasten druecken wuerde. Ein versifftes Mopeeet waere dann wahrscheinlich
    noch das geringste Uebel.
    Ich glaube der Gedanke ist bei den heutigen Motorenleistungen nicht unbedingt aus der Luft gegriffen. Die Reibungswaerme von
    Kette und Ritzel koennte ja in einem geschlossen Kasten nicht so ohne weiteres abgefuehrt werden.


    Um den Temperatur-Gedanken mal in eine andere Richtung zu spinnen:
    Wurden oder werden bei Motorrad-Rennen, Temperaturen der Kette und Ritzel vor und nach einem Rennen gemessen?


    Darueber muesste es doch Infos geben ... Mamma Kette und ihre beiden Balgen sind ja nicht gerade unwichtig


    Noch 'ne Frage ... Sind die Ritzel eigentlich oberflaechengehaertet?


    Gruss uebern Teich,
    Rolle


    Noch was ... habe in der Bucht einen Kettenkasten gesehen der so haesslich garnicht aussieht


    kettenkasten.jpg

    ... alles :kacke: , Deine Elli

  • Soweit ich weiß sind die Ritzel einsatzgehärtet (oberflächliche Kohlenstoffanreicherung mit anschließenden Abschrecken).
    Bei den großen Zahnrädern hinten ist es nicht üblich (geringere auftretende Kräfte).


    Gruß
    josef

  • Moin Rolle,


    ich denke das die Temperaturen die durch Reibungswärme in der jeweiligen Paarung zueinander entstehen, keine gewichtige Rolle spielen, m. M. nach ist es auch kein Problem den Tropfpunkt der verwendeten Schmierfette auf deutlich über 200 C zu legen. Zur Dichtheit, tja also die alten Kettenkästen auf den Hondas scheinen schon ordentlich abzudichten, habe aber hierzu selber keine praktischen Erfahrungen sammeln können, habe meine Mopeds immer offen gefahren. Was die Temperaturmessung bei der Rennerei angeht, habe ich selber nie gemacht, meine Ketten konnte man immer anfassen auch ohne sich gleich die Pfötchen zu verbrennen und ehrlich gesagt habe ich im Fahrerlager keinen gesehen der diese Temperaturen erfaßt hat. Wichtiger sind m. M. die sekundärseitigen Zugkrafteigenschaften, dass Gewicht, die enormen Fliehkräfte sowie das Ein- auslaufen der Kette auf das Zugmittel (Ritzel) auch ein Thema des interessanten Polygoneffektes. Zur Härtung bei den meisten Stahl Kettenrädern, insbesondere den Ritzeln sind aufgrund der geforderten Eigenschaften meistens nur die Randzonen gehärtet, auch als Einsatzhärten bekannt, so bleibt im Kern noch eine gute Zähigkeit übrig. Ich habe früher immer meine Ritzel bzw. die Befestigungsmutter, falls vorhanden, mit einer kleinen Imbussschraube gegen Verdrehung gesichert, dazu musste man natürlich eine Bohrung in das Ritzel bringen um das Gewinde anschließend zu schneiden, beim Bohren selbst hatte man in Verbindung mit der Anzahl der benötigten Bohrer immer eine gute Rückmeldung zum Härtegrad des Ritzels. Achso der Kettenkasten auf deinem Foto, haben wir mal so im Eigenbau um eine alte 1340 Harley gefrimmelt, nur mit dem Unterschied das die offene Seite nach außen zeigte, hat auch schon was gebracht.



    Gruß übern Teich oder wars doch die See

  • Sorry jopper, Du warst eindeutig schneller oder ich zu langsam. :zwinker:

  • Hi BlackShadow und Jopper,


    Danke fuer die Info ... ihr scheint Euch ja in der Materie gut auszukennen
    "Harley-Kettenkasten" -> Einen zweiten normalen Kettenschutz unter die Schwinge zu tueteln ging auch schon durch die Omme,
    da bestimmt ein grossteil des Drecks von unten an die Kette geworfen wird. Optisch duerfte es eigentlich noch nicht mal so
    Gaga aussehen.


    So jetzt lass ich einen weiteren Gehirnfurz fahren
    Es heisst ja, dass in einem Getriebe in welchem Zahnraeder aus Stahl mit Zahnraedern auf Kunststoff kombiniert sind,
    das Stahlrad zuerst verschleisst bzw. regelrecht Einlaufspuren aufweisst ... waehrend sein Kunststoffkumpel kaum
    Verschleisspuren zeigt.
    OK, diese Getriebe sind eigentlich nur in der "Feinmechanik" eingesetzt, aber ... und jetzt der "Furz" ... waere es nicht
    mal einen Versuch wert ein Kettenrad aus einem zaehen aber dennoch hochfesten Kunststoff herzustellen?
    Ob eine Stahlkette mit so einem Ketterad uebel umspringt, wuerde ich vorab nicht unbedingt negativ beurteilen wollen,
    da sich die Kette in knapp die Haelfte der Zaehne legt. Klar man kann die Abmessungen nicht 1 zu 1 kopieren,
    die Basis muesste stabiler bemessen sein, aber ... Versuch macht kluuuch
    Gut, fuer ein Kunststoff-Ritzel waeren die Belastungen bestimmt zu stark ... aber am Kettenrad ... hmmmm
    Es gibt ja heutzutage Kunststoffe mit Eigenschaften, die man frueher nur auf der Enterprise gefunden haette.
    das ich keine Werkstatt habe ... noch nicht



    Wie gesagt ... nur ein weiterer Gehirnfurz


    Gruss ueber die See,
    Rolle

    ... alles :kacke: , Deine Elli

  • Hi Rolle,


    man(n) oder Frau muss ja nicht alles machen was geht, ich denke du meinst bei den modernen Kunststoffen eher die Verbundwerkstoffe, naja schon mal die Stirnradreste bei einem Ford Esex aus der Ölwanne gepult, wurde wahrscheinlich aus Eselkot mit Hampf bei Vollmond gepresst. Aber Kettenräder aus Polyamid gibt es tatsächlich, nur nicht für die Kürbise, die haben nämlich zuviel Punch, aber im ernst für kleinere Aggregate überhaupt kein Problem.


    Gruß

  • Hi Shadow,
    Ford Essex ... kann es sein, dass wir, als diese Motore rauskamen, noch garnicht Auto fahren durften und uns statt dessen
    in der Penne langweilen mussten :grins:
    PA-Kettenraeder ... wie verhalten sich die Dinger eigentlich, in Bezug auf Verschleiss?
    Bei welchen PS und Drehmomenten ist hier "momentan" Schicht im Schacht?
    Theoretisch muesste doch ein Kunststoff-Kettenrad das Strecken der Kette reduzieren, da es ja elastischer als Stahl
    sein "sollte" bzw. daempfende Eigenschaften in Bezug auf Drehmomentspitzen aufweisen muesste


    Ich hab noch immer die fixe Idee eines Kettensatzes, der kaum verschleisst und nicht geschmiert werden muss
    ... oder sollte ich mal 'ne Zeitlang die Drogen sein lassen ?


    Gruesse uebern grossen Teich,
    Rolle

    ... alles :kacke: , Deine Elli

  • Moin rolle,


    jo vermutlich gehören wir noch zu der Generation die den Earl Grey lieber geraucht als getrunken haben :crazy:


    aber viel geht da nicht, selbst mit Faserverstärkten PA bleibts immer noch bei den ganz kleinen Mopeds,


    aber Du hast sicherlich Recht, dieser Werkstoff würde tatsächlich eine ganze reihe von Vorteilen bringen.


    Trotz alledem liegt m. M. nicht das Hauptproblem beim abrollen auf dem Zahnrücken und der Außenseite der Kettenrolle,


    sondern im verborgenen Innenteil der Rolle, da wo die Mischreibung sich durch Schmutz und Verlust des Schmiermittels


    breit machen kann, da helfen weder O- noch X-Ringe oder gar Kettenräder aus verstärkten PA.


    Leider bleibt das vermutlich ein Traum! :tröst:


    Aber mal was anderes ich habe hier im Forum gelesen das Du aus Seattle schreibst, falls Du auch dort schaffst bleibt eigentlich nur Microsoft


    oder Boeing übrig, bei letzterem Brötchengeber könnte man ja mal Entwicklungsabteilung zwecks Kettenantrieb befragen. :zwinker:


    Achso schon mal an einen Zahnriemen gedacht? :denk:




    Gruss übern Teich

  • Hi BlackShadow,


    richtig vermutet ... Tee trinke ich nur, wenn ich krank bin ... ansonsten
    Mir ist was "Neues" eingefallen, die Kosten dazu mal komplett ins Exil verbannt:
    Was waere denn, wenn die Rollenkoerper der Kette und das Zahnprofil (als aufgesetzter Zahn-Ring)
    aus dem gleichen Material wie die Hartmetall-Schneidplaettchen von Fraes- und Drehwerzeugen
    gefertig wuerden ? Liesse sich bestimmt herstellen, aber wie gesagt wer soll das bezahlen
    Keramik waere wahrscheinlich zu bruchempfindlich und bestimmt noch teurer.
    Bei Keramik-Teilen sprechen die Hersteller ja von Ausschussquoten, nach dem Brennvorgang, von guten 80% !


    Der Riemeantrieb waere schon eine Alternative, wenn er nur nicht so potthaesslich gross bauen wuerde.
    Ich denke, dass hier momentan das (bis jetzt) verfuegbare Material die Baugroesse diktiert.
    Auch wenn es meiner Meinung nach schon erstaunlich ist, was diese relativ duennen Riemen alles aushalten.


    Nee, weder Microsoft noch Boeing ... obwohl Boeing waere schon geil. Allein die Vorstellung, dass im Flugzeugbau
    nach allen (un-) moeglichen Werkstoffen geforscht und vor allem ausprobiert wird
    Von den Dimensionen, Gewichten und Power her gesehen, koennen wir Boeing schon das Wasser reichen,
    nur bewegen sich unsere Maschinen langsamer und gehen in die entgegengesetzte Richtung
    Ich verdiene meine Broetchen bei der Herrenknecht Tunnel-Vortriebs-Technik AG.
    Wir haben hier bei Seattle eine Niederlassung. Vor drei Jahren bin ich hier her gewechselt.
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    Gruss uebern Teich,
    Rolle

    ... alles :kacke: , Deine Elli

  • Hi Rolle,


    Keramik für den Kettentrieb???? Ach du :kacke: :nein: :nein: :nein:


    Aber Tunnelbau nicht schlecht. Hochpräzise Angelegenheit mit gewaltigem Format :respekt:


    Wobei mir gerade einfällt, von wegen Vortriebsrichtung, machmal geht die Richtung bei den Fliegern doch ähnlich konform wie im Tunnelbau,


    spätestens dann wenn die alte zusammengepoppte Aluausschußröhre mit der Papiervertratung und den beiden Cerosinsprengsätzen incl. der


    Hochleistungsschubumkehrzünder ungespitzt in den Erdboden einschlägt. Ok, ihr seit mit Sicherheit genauer, aber sonst :crazy:


    Nein ich habe keine Angst vorm Fliegen :lautlach: Solange ich den Vogel selber zusammenschräubeln kann, kein Problem dann Fliege ich auch, auch mit Boeing!


    Bekannter von mir hat ein paar Jahre dort bei Boeing geschafft, muss eine gute und interessante Zeit gewesen sein.



    Gruß :winke: