Mein Händler war neulich erstaunt, dass ich in 5 Monaten knapp 14'000Km mit meiner Hypermotard gefahren bin. Er meinete, die durchschnittliche Jahresfahrleistung für Motorräder in Deutschland läge bei 2200 Km!!! Bei typischen "Reiseenduristen" (die AT ist DEFINITIV keine Enduro, sonder eben eine Reiseenduro) liegt die jährliche Fahrleistung wohl eher höher, aber nicht gewaltig höher. Dennoch wage ich zu bezweifeln, dass von diesen - immer noch wenigen - Kilometern nennenswert viele in "Gelände" zurückgelegt werden, in dem man ohne 21 Zoll Vorderrad (warum nicht gleich auch 18 Zoll hinten?) und lange Federwege nicht durchkommt. Lange Federwege braucht man sowieso nur zum Schnellfahren auf groben Pisten; schaut mal die Federwege einer Trialmaschine an. Das große Vorderrad ist angenehm auf unbefestigten Wegen, aber bei einem vollgetankten Gewicht von fast 5 Zentnern (es bleibt abzuwarten wieviel das Teil tatsächlich wiegt) ist die Radgröße nicht der limitierende Faktor bzgl. Geländetauglichkeit. Meine Adv 990 S wog - laut Tests - 232 Kg vollgetankt. Verglichen mit meiner 640 Adv seelig war das ein Öltanker. Ja, ich konnte mit einem Affenzahn über eine üble Piste rasen (z.B. Korsika, Saleccia), aber meine Begleitung auf GS 1150 kam nach einiger Zeit auch am Strand an. Ein paar Jahre später bin ich diesselbe Strecke bei schlechteren Bedingungen (es hatte vor Pfingsten sehr viel geregnet) noch einmal gefahren - mit einer 950 SM, serienbereift und es ging auch irgendwie. Die 990 S war schon geil, aber ich hätte mich nie damit in einsames, unbekanntes Gelände wagen können - mit der 640 Adv habe ich's getan.
Dieses Argument bzgl. Geländetauglichkeit hatten wir doch schon einmal, als die Kontrahenten KTM 990 Adv. und BMW R 1200 GS (19" Vorderrad) hießen. Auf Pisten konnte man mit der KTM ewas schneller fahren, aber es gab - auch laut Testfahrer u.a. der Zeitschrift "Enduro", keine Situation in der man mit der BMW stecken geblieben wäre, aber mit der KTM noch hätte weiter kommen können. Die Dinger sind einfach zu fett! Ob im Sand, auf verschlammter Piste oder bei einer Flussdurchquerung, wenn einem die Kiste umfällt muss man sie auch wieder aufheben (und im Falle der Flussdurchquerung sogar heraus schieben!) und das bei alles andere als idealen Bedingungen.
Honda hat ein wirklich schöne Reiseenduro gebaut, aber die Abenteuer werden sich bei den allermeisten Kunden im Kopf abspielen - sie kommen ja eh' kaum noch zum Fahren (sieh durchschnittliche Fahrleistung)! Wenn man sich jedoch anschaut was an Automobilen auf den Straßen bewegt wird (--> SUVs) dann denke ich, dass die Leute heutzutage mit Kopfkino zufrieden sind. Hauptsache die Fantasie wird inspiriert und das Gerät "sieht gut an/unter einem aus". Mich stören nur die 30 Kg Übergewicht und der Preis, aber jedem sein Plaisir!.
