Hinterradpendeln bei Gefahrenbremsung mit 100+ km/h

  • Bei einer Gefahrenbremsung wird das Hinterrad enorm entlastet und verliert sehr viel Grip, das ist klar. Aber das erklärt nicht das Pendeln entlang der Horizontalen.


    Was ist die technische Erklärung dafür? Meine erste Vermutung wäre, dass das Abstützen am Lenker eine Unruhe verursacht die sich bei zunehmender Bremsbeschleunigung verstärkt und hochschaukelt.


    Schließlich tritt das bei Vollbremsungen aus niedrigen Geschwindigkeiten (z.B. 50km/h) nicht auf und legt sich sofort, sobald der Bremsdruck reduziert wird.

  • Die Gabel taucht ein, der Nachlauf verkürzt sich. > weniger Geradeauslaufstabilität.


    Dämpfung geht u.U. an den Endanschlag / Hydrostop. Schläge vom Untergrund gehen in die Lenkung und verursachen Unruhe.


    Das "leichte" Hinterrad fehlt, wie beschrieben bei der Stabilisierung.


    Jetzt kommt aber noch das wichtigste: Der Blick vom Fahrer wird kurz!

    Aus zwei Gründen:

    1. Bei Stress fokussiert man automatisch nur den Nahbereich.

    2. Durch die Negativbeschleunigung rotiert der Kopf nach vorne/ unten > Blick wird kurz.


    Um optimal das Gleichgewicht zu halten und Lenkstörungen auszugleichen braucht der Fahrer den weiten Blick nach vorne und die Gleichgewichtsorgane eine möglichst horizontale Lage des Kopfes.


    Was kann man zur Verbesserung unternehmen?


    - Passende Fahrwerksfedern zu Fahrergewicht (KTM Srandard 75-85 kg)

    - Passendes Dämpfungssetup

    - Gutes Brensen trainieren: Bis in den ABS Regelbereich und dort halten bis der Kahn steht. Blick bleibt immer oben! Man sieht dann schon wenn man steht. Der Tacho hilft einem dabei nicht.


    PS.

    Sicherheitstrainig buchen ist eine excelente Idee. :Daumen hoch:

    Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen und der Dumme weiß alles besser. :winke:

  • +1. Sicherheitstraining beste Sache.

    Gerne auch alle paar Jahre wiederholen bzw. nen Fortgeschrittenenkurs wählen.


    Blick nach oben wird Dir da kräftig eingeimpft. Elementar zur Kontrolle der Fuhre bei praktisch jedem Fahrmanöver.


    Zudem versuchen, das nach vorne schiebende Körpergewicht so gut wie möglich nicht am Lenker abzustützen sondern mit Beinen/Rücken dagegen zu arbeiten. Das stabilisiert enorm und erhält die Lenkfähigkeit beim Bremsen.


    Hatte damit bisher kein „Pendeln des Hecks bei Notbremsungen. Der Arsch kommt halt leicht hoch und es wird ziemlich unruhig.

    890 Adventure R 2023

    1290 SAS 2018

    1190 Adventure 2013

    Z750R 2012

    Mito 125 1996 & 2002

  • Interessant. Danke für die ausführliche Erklärung :Daumen hoch:


    Zum Thema Fahrwerk:


    Ich hab mit 80kg schon das "perfekte" Motorradfahrer Standardgewicht und bei der 790, kann man ja nix bis auf den Preload am Federbein einstellen, und den hab ich schon auf 6 Klicks. Noch straffer, wäre mir im Alltag zu viel, ich will den Komfort den man bei 200mm Federweg hat schon noch ausnutzen können.

    Da vollwertige Kartuschen ziemlich teuer und für den Anfang wahrscheinlich overkill sind, dachte ich da eher an progressive Fahrwerksfedern und da frage ich mich ob Federn für die 890 R / Pre-Facelift 790 R auch in die 790 2023 passen?


    Und zum Thema Sicherheitstraining:

    Gibt's gute Alternativen zum ADAC? Am Intensiv-Training kann man laut Website nur teilnehmen, wenn man in den letzten 3 Jahren das Basis-Training gemacht hab und ich habe wenig Lust 209 Flocken für eine glorifizierte Fahrstunden zu bezahlen, um am "richtigen" Training teilnehmen zu können.

    Als Vielfahrer mit über 20000km Laufleistung im letzten Jahr sehe ich da nicht wirklich den Sinn.

    Ich meine in der Beschreibung schreiben sie selber, dass das Basis-Training für Anfänger und Wenigfahrer/Wiedereinsteiger gedacht ist, also was soll diese Beschränkung?

  • Hast Du denn schon mal ein Basistraining bei irgendeinem Anbieter gemacht?

    Habe da selbst mit Praxiserfahrung 4 Jahre von 16-20 Jahren (ca. 20000km jährlich) und Wiedereinstieg mit mittlerweile 5 Jahren und ca. 15tkm jährlich Dinge gelernt die ich so noch nie gehört hatte.


    Habe letztes Jahr bei Motorradtraining24 einen Basiskurs gebucht für 99€ Ganztags-Training und habe auch dort wieder was gelernt. War mein 2. Sicherheitstraining.

    Da waren definitiv Übungen aus der Fahrschule dabei aber auch eben ziemlich viel Blickführung/Linienwahl im freien Fahren 3h lang inkl. ausführlichem Feedback des Trainers und Videoanalyse.

    Das hat bei nem guten Anbieter nichts mit Fahrschullevel zu tun, selbst im Basiskurs.

    Ist mir auch wichtig jedes Mal nen anderen Anbieter/Trainer zu haben um neue Perspektiven zu bekommen.


    Hilfreich war da auch das Feedback eines guten Freundes, der auch teilgenommen hat.

    Der ist dann auch dieses Jahr beim Offroad Training dabei und das gegenseitige Feedback von jemandem, den man gut kennt ist da extrem wertvoll aus meiner Sicht.


    Dieses Jahr kommt der Offroad Kurs in Hechlingen.

    Nächstes Jahr dann Schräglagentraining.

    Das Jahr drauf wieder Sicherheitstraining. Dann natürlich mal ein Fortgeschrittenenkurs.


    P.S.

    Die Grundfahrübungen (Slalom, Balance, Notbremsung, Bremsen-Ausweichen,...) mache ich auch selbst immer wieder in der Saison wenn ich Sonntags nen leeren Kaufland Parkplatz sehe.


    P.P.S.

    Kilometer sind schwerlich vergleichbar.

    Jemandem mit 5tkm Renne im Jahr z.B. traue ich ne bessere Blickführung zu als dem 15tkm Pendler/Wochendendfahrer, der 3x im Jahr das Ding mehr als 100km bewegt.

    Sagt für mir erstmal recht wenig aus.

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    Einmal editiert, zuletzt von chilly243 ()

  • Die Wortwahl auf der ADAC-Website lässt darauf schließen, dass sie nur ihr eigenes Basis-Training akzeptieren und keins von anderen Anbietern.

    Vllt. sollte ich einfach Mal bei dem betroffenen FSZ anrufen und genauere Infos erfragen.

    In meiner Region gibt es nämlich ein anderes deutlich günstigeres FST, dass mich aufgrund des Rabatts für junge Fahrer nur 80€ kosten würde. Das wäre im Vergleich zum nächstgelegenen ADAC FSZ Gründau ein absolutes Schnäppchen.


    Sowas wie Slalom, Vollbremsung oder Fahren in Schrittgeschwindigkeit mache ich sehr oft aus Langeweile/Zum Spaß/um den Fuß nicht abzusetzen (z.B. in einer 30er/40er Zone, oder beim zurollen auf eine rote Ampel).

    Man sollte es nur nicht übertreiben und auf den Verkehr achren. Ich bin mal mit meiner 401 bei ca 50km/h einen so tiefen Slalom gefahren, dass ich mit der Fußraste ziemlich unsanft auf dem Boden aufgekommen und leicht in einer Rille zwischen zwei Fahrbahnbelagen hängen geblieben bin. Wäre die Rille etwas tiefer gewesen und Gegenverkehr da gewesen, hätte das schnell unschön enden können.

  • Ich bezeichne das Verhalten am Hinterrad als Ausbrechen/ Sliden.


    Pendeln ist was ganz anderes, das kann sich bis zum Kickback aufschaukeln und tritt ganz ohne Brensen auf



    Da du hinten ABS hast, ist dies Verhalten völlig normal und unkritisch


    Es reicht völlig sich das zu merken und stumpf auf der Bremse zu bleiben

    Respekt für Frauen und Mädchen.

    Nicht jeder, der sich gestern vor Wissen nur so brüstete, ist heute noch von Gestern.


    Wg. Krach fahr ich aus der Haut: loud is out!
    -Not all you do, is only your own Ding.

  • Pendeln ist was ganz anderes, das kann sich bis zum Kickback aufschaukeln und tritt ganz ohne Brensen auf

    Das was du beschreibst kenne ich als Death Wobble/Tank Slapper, oder auf Deutsch Lenkerflattern/Lenkerschlagen.


    Das ist das Gegenteil von dem von mir beschriebenen Phänomen, da dort das Vorderrad durch hohe Beschleunigung, oder hohe Zuladung hinten, entlastet wird, oder durch einen Wheelie-Fail angewinkelt auf dem Boden aufkommt, und dadurch zu schwingen beginnt.


    Ein Ausbrechen liegt wiederum dann vor, wenn das Hinterrad nicht mehr in einer Spur mit dem Vorderrad läuft, z.B. weil es in der Schräglage, oder aufgrund von rutschigen Boden die Haftung verliert und dadurch [aus der Spur] "ausbricht".


    Beim Pendeln des Motorrads bewegt sich das ganze Heck, um den Schwerpunkt. Die Fahrbewegung ist wie eine Welle/wie beim Slalom.

  • Genau.

    Und das ist definitiv nicht normal. Da solltest du mal dein Fahrwerk überprüfen [lassen]

    Respekt für Frauen und Mädchen.

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  • Genau.

    Und das ist definitiv nicht normal. Da solltest du mal dein Fahrwerk überprüfen [lassen]

    Gerade eben meinstest du doch das sei völlig normal?


    Men Federbein ist keine 1000km jung, das wird alles in Ordnung sein.

  • Ich würde erstmal versuchen konsequent das Gewicht des Körpers beim Bremsen vom Lenker fernzuhalten, wenn es am Hinterrad beim Bremsen deutlich ausschlägt.

    Auch die Körperhaltung-/spannung kann da zu unschönem Fahrzeugverhalten führen.

    Hab das selbst schon erlebt, dass dann das Heck leicht ausbricht, v.a. wenn man tatsächlich über mehrere zig Meter aus 100kmh an der Haftgrenze operiert.


    Wenn das schon hilft, alles tutti.

    Falls nicht, wäre auch für mich das Fahrwerk der nächste Prüfpunkt, insb. die Gabel.

    Ggf. taucht das auch zu sehr ab warum auch immer.

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  • Bei derartigen Fahrsituationen auch ruhig mal Eigenwahrnehmungen mit Fremdwahrnehmung, am besten noch Video, abgleichen.

    Oftmals fühlt sich das deutlich spektakulärer an als es von Außen aussieht.

  • Oh ja, Stichwort Videoanalyse beim Sicherheitstraining.

    Wobei der gefühlte Unterschied beim Bremsen zwischen 50-60 kmh und 100 kmh schon auch gewaltig ist.

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  • Den Bereich kann man aber für sich durch Training ganz gut verschieben.


    Bin früher öfter mal Kringel gefahren, meistens mit ner 675er Streety. Da ist halt geradeaus bei 210/220 km/h Ende. Das waren dann irgendwo Bereiche, die ich für mich auf dem Kringel als beherrschbar definiert habe. Irgendwann bin ich dann mal die RSV4 von nem Kumpel probegefahren, nach 3 Tagen auf der Streety. Zwei Runden Eingewöhnung und dann Feuer frei. Die Wahrnehmung 220 km/h zu 270km/h am Anfang der deutlich vorverlegten Bremszone war Welten auseinander. Erstaunlich wie schmal die Strecke in meiner Wahrnehmung so ab ~250 km/h wurde. Da haben zwei Turns auf jeden Fall nicht gereicht, um die Wahrnehmung zu verschieben.


    Mir ist auf der Straße dadurch aber auch schon mal ein hinterherfahrender ins Feld entschwunden. Kurve etwas optimistisch bewertet, relativ hart gebremst und dabei nicht gemerkt das der Kollege mit 10m Abstand in meinem toten Winkel rumfuhr. Keinem was passiert, er hat seitdem Bremsen gelernt und fährt mit mehr Abstand.

  • Ich kann jetzt nur für meine 17er SAS sprechen.

    Wenn ich bei dem Moped zusätzlich hinten mitbremse (also im Angasmodus z.B. vor einer Kehre) dann wird die Kiste hinten so instabil, dass man schier den Einlenkpunkt verpasst (vor allem, wenn man nicht damit rechnet).


    Wenn ich nur vorne bremse, tritt dies Phänomen nicht auf (Vorderbremse, wirkt ja auch auf die Hinterradbremse).


    Dazu kommt, bei zusätzlich eingesetzter Hinterradbremse, dass die Bremse hinten ein Fading bekommt, dass man nahezu keine Bremswirkung hat.

    Seit dem ich Bremsflüssigkeit 5.1 hinten wie vorne verwende, ist dieser Effekt (Fading hinten) allerdings verschwunden.


    Keine Ahnung ob es hilft, aber möglicherweise hat Cpt.Chrom ja das Gleiche Problem.


    Wie gesagt, wenn ich nur vorne bremse, bliebt die Kiste stabil.

  • Gerade eben meinstest du doch das sei völlig normal?


    Men Federbein ist keine 1000km jung, das wird alles in Ordnung sein.

    Nö, da hast du mich falsch verstanden. Normal ist es, dass das Heck ausbricht beim Ankern. Das ist aber kein Pendeln.

    Wenn das bei dir pendelt stimmt was nicht.


    An die, die hier nur noch über Sicherheitstraing reden wollen: das ist der falsche fred!

    Respekt für Frauen und Mädchen.

    Nicht jeder, der sich gestern vor Wissen nur so brüstete, ist heute noch von Gestern.


    Wg. Krach fahr ich aus der Haut: loud is out!
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  • Tatsächlich wird das Heck beim starken Bremsen unruhig wenn der Blick sich vor das Vorderrad absenkt.


    Wenn der Blick weit vorraus geht bleibt es hinten ruhig.


    Das kann man u.a. bei einem Sicherheitstraining üben.

    Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen und der Dumme weiß alles besser. :winke:

  • An dem Blick wird es kaum liegen, an einem verkrampften Fahrer? Dass sich das Bike verwindet?

    Sorry, das halte ich für Kokolores😝

    Respekt für Frauen und Mädchen.

    Nicht jeder, der sich gestern vor Wissen nur so brüstete, ist heute noch von Gestern.


    Wg. Krach fahr ich aus der Haut: loud is out!
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  • ......ich habe wenig Lust 209 Flocken für eine glorifizierte Fahrstunden zu bezahlen, um am "richtigen" Training teilnehmen zu können.

    Als Vielfahrer mit über 20000km Laufleistung im letzten Jahr sehe ich da nicht wirklich den Sinn.

    Sinn macht Grundsätzlich jedes Fahrsicherheits-Training und mir selbst fallen da immer wieder Leute auf wie Du die meinen zig KM mit dem Mopped abgespult zu haben reicht um der Alleskönner zu sein.

    In der Regel gewöhnt man sich aber leider viele Kleinigkeiten an die sich in einer Gefahrensitiation oder halt ich sage mal "nur" im Alltag negativ Auswirken.

    Da sollte man ruhig das Basis Training mit machen und nicht belächeln bzw. als Sinnlos ansehen und dann darauf weiter Aufbauen.

    Denn das macht Sinn!

    Grüße


    dachi

  • An dem Blick wird es kaum liegen, an einem verkrampften Fahrer? Dass sich das Bike verwindet?

    Sorry, das halte ich für Kokolores😝

    Natürlich hältst du das dafür.

    Ich habe auch nichts anderes erwartet. :grins:


    Die 1000-fach erlebte Realität schlägt hier jedoch das Vorurteil. :peace:


    Mach dir nichts draus, das Leben geht weiter. :wheelie:

    Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen und der Dumme weiß alles besser. :winke: