ABS Fehlverhalten

  • Hallo zusammen,


    nach einem Simmeringwechsel habe ich ein Problem mit dem ABS. Die Warnleuchte geht normal nach den ersten paar Metern aus, bei jedem Bremsen oberhalb von Schrittgeschwindigkeit regelt jedoch das ABS dauerhaft dagegen, sodass die Vorderradbremse quasi funktionslos ist. Der Tacho funktioniert, ABS am Hinterrad geht normal. Der Abstand vom Sensor zum ABS-Ring sind so 1,1-1,2mm. Duke 390 BJ20.

    Hat jemand vielleicht eine Idee, was hier die Ursache sein könnte?

  • Idee: Beim Betätigen der Bremse fallen die impulse des Vorderrads aus. Somit "denkt" das ABS die Bremse öffnen zu müssen, weil das VR blockiert ist.


    Gründe: Mechanisch, weil beim Bremsen der Abstand zwischen Sensor und Ring nicht mehr passt.

    Elektrisch: Kabelbruch oder ähnliches im Sensorkabel. Oder Verkabelungsfehler, durch z.B. das Aufleuchten der Bremsleuchte kommt eine "falsche" Spannung an eine Stelle wo sie nicht hingehört.


    Als ersten Schnelltest würde ich mal den Bremslichtschalter abstecken. Macht nicht viel Arbeit und wenn es dann wieder bremst ist man einen Schritt weiter.


    PS: Ist sicher, dass die Gabel nicht verspannt montiert wurde?

    Gruß

    Richard

  • Kannst du mir erklären wie die Gabel verspannt montiert werden kann? Die Stand- und Tauchrohre sind doch frei drehbar?

  • Verspannte Gabeln sind tägliche Errors. Das wirkt sich aber „nur“ auf die „Highspeed-Stabilität“ aus.


    Die Abstände zum Sensor-Ring sollten sich nicht wirklich geändert haebn -zuvor funktionierte ja noch alles.


    Fakt ist, du weißt was dem voraus ging. Meistens ist damit das Problem eingekreist.

    Frag dich also, was du an dem Kabel verbrochen haben könntest. Ist es möglicherweise zu stark unter Zug geraten?

    Dann kommen die Steckerkontakte infrage. Kabelbruch passiert da eigentlich nicht so schnell. Wieviele Km hat das Bike denn runter?


    Kanns sein, dass du das Vorderrad aufgebockt bei eingeschalteter Zündung hast drehen lassen?

    Zumindest bei ner 21er Yamaha kommts da zum ABS-Error, weil das Hinterrad steht. Da muss anschl. die Motorkontrollleuchte per OBD2 wieder abgeschaltet werden.

    Vlt. hilfts ja auch mal die Batterie für 1 Minute abzuklemmen.

    Respekt für Frauen und Mädchen.

    Nicht jeder, der sich gestern vor Wissen nur so brüstete, ist heute noch von Gestern.


    Wg. Krach fahr ich aus der Haut: loud is out!
    -Not all you do, is only your own Ding.

  • Es kann schon gut sein, dass die Bremszange mal kurz runter hing, wobei eigentlich das Kabel des Sensors da deutlich länger ist als der Bremsschlauch. Habe das Kabel bis zum Stecker hochverfolgt und da sitzt es ganz gut und bei einem Kabelbruch würde ich denken, dass dann die ABS-Leuchte an bleiben sollte. Die Batterie war den Winter über ausgebaut und wurde jetzt dafür wieder eingesetzt, Spannung bei ausgeschalteter Zündung waren 12,8V und das Ladegerät meinte auch sie ist voll. Den letzten Punkt zum Aufbocken kann ich auch ausschließen, da war die Zündung nie an. Das Bike hat 10kkm runter.

  • Verspannte Gabeln sind tägliche Errors. Das wirkt sich aber „nur“ auf die „Highspeed-Stabilität“ aus.

    Nicht nur. Ich hatte mal einen verzweifelten Kollegen zu Besuch, der schon ewig "Luft" in der Bremse hatte und sie nicht heraus bekam.


    Am Ende war keine Luft drin, sondern die verspannte Gabel hat die Bremsbacken immer weiter als normal auseinander gedrückt. Das musste man dann durch "Pumpen" immer wieder ausgleichen.

    Lösung: Gabel entspannen und dann ging es. Er meinte übrigens bis zum Schluss: "Das kann nicht sein". :grins:

    Gruß

    Richard

  • bei einem Kabelbruch würde ich denken, dass dann die ABS-Leuchte an bleiben sollte.

    Ist nicht sicher. Es gibt Kabelbrüche, wo mal Kontakt ist und mal nicht. Meist durch mechanischen "Zug" am Kabel oder Winkeländerung (Lenken).

    Temperaturschwankungen gibt es auch noch.

    Da im vorliegenden Fall ein konkreter Bezug "wenn man bremst" besteht, würde ich auch da anfangen zu suchen.

    Gruß

    Richard

  • Hast du das bike noch normal fahren können, bevor du die SimmerR getauscht hast oder bist du letztes Jahr das letzte mal gefahren?

    Wirst, wenn du lecktrische und mech. Probleme ausschließt (Kabel mal ab und wieder drauf gesteckt?) Fehler auszulesen müssen. Evtl. ist ja übern Winter in der ABS-Steureinheit was verstopft gegangen...

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  • Normalerweise tritt so ein Fehler auf, wenn sich z.B. der Zahnkranz beim Bremsen bewegt, d.h. genau dann die Sensorwerte für das Steuergerät unplausibel werden.


    Das kann aber natürlich auch auftreten, wenn sich die Übertragung zwischen Sensor und Steuergerät ändert.


    Bleibt der Abstand Sensor / Zahnkranz über eine Drehung wirklich konstant, oder wurde der Zahnkranz beim Tausch des Simmerrings eventuell verbogen?

  • Hast du den ABS Sensor vor oder nach dem Vorderradausbau abgeschraubt? Wenn du mit der Bremsscheibe den vorderen Teil des Sensors verletzt hast kann er dadurch defekt werden.

  • Das letzte mal gefahren bin ich letztes Jahr, könnte also auch an der Standzeit liegen. Abstand zum Sensor bleibt konstant über die Umdrehung, habe nochmal am Stecker rumgespielt und das Kabel auf äußere Schäden geprüft aber leider nichts. Der Bremslichtschalter hat auch nichts verändert, sowohl im Dauer- An wie Aus Zustand.

    Mir ist auch aufgefallen, dass selbst während des Bremsens der Tacho noch sauber runter läuft, also scheint der Sensor auch beim Bremsen sinnvolle Daten zu liefern...

    Dennoch bleibt ja denke ich erstmal nichts anderes übrig als das Teil mal auszutauschen oder was denkt ihr?

  • Lass das Fehlerprotokoll auslesen, auf Verdacht Teile zu tauschen ist suboptimal

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  • Mir ist auch aufgefallen, dass selbst während des Bremsens der Tacho noch sauber runter läuft, also scheint der Sensor auch beim Bremsen sinnvolle Daten zu liefern...

    Das Geschwindigkeitssignal kommt oft vom hinteren Sensor. Aber das lässt sich ja einfach prüfen.

    Gruß

    Richard

  • Dennoch bleibt ja denke ich erstmal nichts anderes übrig als das Teil mal auszutauschen oder was denkt ihr?

    Fehlerspeicher wurde schon genannt.Den Sensor mit dem Oszi prüfen wäre auch eine Möglichkeit.

    Die Signale vorn und hinten mal vergleichen. Das sollte etwa gleich sein.

    Gruß

    Richard

  • Mir ist gestern mal etwas ganz grundsätzliches zu diesem Problem eingefallen:


    Sollte es sich um irgendeinen mechanischen Defekt handeln und das Steuergerät unplausible Werte erhalten, würde doch jegliche Logik von Sicherheitssystemen dafür sprechen, dass das ABS sich umgehend ausschaltet.

    Denn wenn es sich aufgrund eines mechanischen Fehlers nicht ausschaltet, sondern die o.a. Fehlfunktion (faktisch Ausfall der Bremswirkung) während der Fahrt auftritt, wäre das sofort ein Grund für eine Rückrufaktion. Oder ein Grund um KTM auf Millionen zu verklagen. Bremssysteme dürfen bei solchen Fehlern immer nur auf Notfalleigenschaften zurück fallen.


    Somit würde ich zuerst mal das Steuergerät angehen, denn dieses scheint nicht sauber hoch zu fahren und spuckt die Fehlfunktion bereits beim Losfahren aus, damit man garnicht erst in die Verlegenheit kommt, vor einer Ampel keine Bremswirkung zu haben. Denn jeder Führer eines Fahrzeuges ist laut aller möglicher Vorschriften und Vertragsklauseln dazu verpflichtet, bei Fahrtantritt auch die Funktion der Bremse zu prüfen (mache ich übrigens wirklich jedesmal, noch innerhalb des Garagengeländes).

  • Ich bin grundsätzlich bei dir.

    Und ABS Systeme sind auch ganz schön sensibel.

    Trotzdem gibt es offenbar Bereiche in denen das Signal noch als plausibel gewertet wird, obwohl es das in der Realität nicht ist.


    Ich hatte den Fall bislang 1x bei einem Auto mit einem defekten Radlager (das seltsamerweise bei der Fahrt nicht auffällig laut war, wobei da die Reifen an sich schon ganz gut Lärm gemacht haben).

    Da hat offenbar die Abstandsänderung Antriebswelle (Sensorzahnkranz) und Sensor beim Bremsen gerade so (nicht) gepasst, dass das ABS nicht mehr jeden Zahn erkannt und damit eine zu geringe Frequenz angenommen hat.

    Daher hat es in dem Fall auch die Bremse aufgemacht.


    Das war aber in vielen Jahren Praxis der einzige Fall und schließt natürlich in dem konkreten Fall ein defektes Steuergerät nicht aus.

  • … Warnleuchte geht normal nach den ersten paar Metern aus, bei jedem Bremsen oberhalb von Schrittgeschwindigkeit regelt jedoch das ABS dauerhaft dagegen, sodass die Vorderradbremse quasi funktionslos ist…

    Unterhalb Schrittgeschwindigkeit bekommst du das Vorderrad tatsächlich zum blocken?

    Könnte es sein, dass schlicht die Bremse defekt ist?

    Respekt für Frauen und Mädchen.

    Nicht jeder, der sich gestern vor Wissen nur so brüstete, ist heute noch von Gestern.


    Wg. Krach fahr ich aus der Haut: loud is out!
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  • Jedes ABS regelt nur bis zur Grenzgeschwindigkeit.

    Die liegt zwischen 4 - 6 km/h.

    Darunter regelt es nicht mehr.


    Wieso ist dir das bei deinem Motorrad noch nicht aufgefallen?

    Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen und der Dumme weiß alles besser. :winke: