Kraftstoffeinbruch

  • Alarm: Ölfred!! :kapituliere:


    Fahre eine 690 Enduro (2008er, ABP Kit, PP ESD, jetzt 30tkm) und habe mir zum anstehenden Ölwechsel jetzt mal eine Ölanalyse gegönnt, weil ich wissen wollte, wie ernst man das 5000km Intervall nehmen soll (bisher immer brav eingehalten). Der Vergelich von Altöl (5000tkm) und Frischöl (0km) hat ergeben, dass die Additive kaum abgebaut haben, fast kein Abrieb da ist (waren auch fast keine Späne im Sieb, wie üblich), kein Ruß, kein Staub, ... - eigentlich also alles im grünen Bereich.


    Jetzt kommt das ABER:
    Die dynamische Viskosität (bei 100°C) ging aber massiv in den Kelller (fast auf 50%), d.h. es war viel zu dünn.
    Da die Kollegen für das Motorex 10W60 keine Kalibrierkurve haben, konnten sie mir nicht genau sagen wie viel Kraftstoff im Öl ist - sie schätzen auf 8-10% (man riecht es auch...).
    Ne Destillation war auf Kaffeekassenbasis leider nicht mehr drinn (vielleicht schiebe ich noch eine Runde Leberkäs nach :grins: ) - dann könnte man es genauer sagen.


    Ich will hier auch keine Diskussion über "welches Öl ist das beste" starten (gibts schon viel zu viele...), mir gehts nur darum, hat schon mal jemand eine Ölanalyse machen lassen und auch einen überhöhten Kraftstoffeintarg festgestellt?
    Ist das normal? (und deswegen 5000 tkm Intervall?)


    Vor der Ölprobe war der Motor 1-2h schön warm gefahren (Ölthermometer am Einfüllstutzen gute 80°C), Probe am warmen Motor entnommen. Steuergerät meldet keine Fehler und Möp läuft völlig brav mit üblicher (guter) Leistung. Luftfilter war nomal verschmutzt - habe den K&N jetzt ausgewaschen, war nicht viel Dreck drinn.
    Kann es sein dass mein ABP Kit sooo viel mehr einspritzt, dass man Ölverdünnung bekommt?


    Für alle, die die Werte sehen wollen, hier der Laborbericht:

  • Kann sein,
    aber weit wahrscheinlicher ist,
    dass du zu wenig lang und zuwenig stark Gas gibst
    und das Öl zu kalt bleibt, um das darin angesammte Benzin und Wasser zu verdampfen!
    (Das ist auch der Grund, warum Motoren am Anfang einer langen Tour soviel "Öl" brauchen.)

    Mit fröhlichen Grüßen aus Wien


    DSP

  • hm, mehr Gas geben ist zwar ein beliebter Forums-Tip, hier glaube ich aber nicht dran.


    Zum einen zeigte das Ölthermometer am Einfüllstopfen gute 80°C, im Sumpf also sicher gute 95°C, an den hoch belasteten Stellen also noch weit darüber. Wenn du dir die Siedelinie von Benzin ansiehst, verdampft bei 100°C ca 50% - damit wäre mindesten das doppelte eigentlich mal im Öl gewesen.
    Über 95°C habe ich an dem Ölthermometer auch noch nie gesehen: egal ob Spanien bei über 40°C im Schatten, im Gelände, stop and go im Stau, Kühlwasser kurz vor Anschlag, Pässe heizen, 2h Autobahn mit 140, ...
    Ich fahre auch nie Kurzstrecke, in der Regel den ganzen Tag.
    Hab auch noch nie den von dir beschriebenen Effekt gesehen, dass sie am Anfang einer Tour mehr Öl braucht - in der Regel muss ich auf 5000 km 0,2 - 04l nachschütten - hehe, vielleicht weil sie es immer schön mit Benzin auffüllt?

    wir sind viele - ich bin alle !

  • Was hindert dich daran, 5 cm³ Öl in eine Epruvette zu geben und aufzukochen?
    Da solltest du ja sehen, ob sich nennenswerte % verdampfen lassen!

    Mit fröhlichen Grüßen aus Wien


    DSP

  • Ich habe mal vor Jahren eine Ölanalyse bei meiner 625 SuperComp machen lassen. Ergebnis nach 1000km, aus 15W50 wurde ein 10W30.
    Damals war auch der hohe Kraftstoffanteil schuld. Aus dem Grund wechsel ich spätestens bei 2500 km.... Meist früher

  • Bei der Ölverdünung durch Kraftstoff würde ich auch die geschlossene Motorentlüftung in die Fehlersuche mit einbeziehen. Die Luftsäule im Ansaugrohr schwingt, dadurch gelangen nicht nur Motorgase zur Verbrennung ins Ansaugrohr sondern auch Krafstoff-Luftgemisch in den Motor.

    Facharzt für Flachbaggerheilkunde

  • Das halte ich zwar für ausgeschlossen,
    aber man könnte es als weiteren Grund sehen,
    den Motorentlüftungsschlauch aus der Airbox zu rupfen
    und dorthin zu verlegen, wo man doch hin und wieder ein Tropferl Öl braucht:
    ganz knapp über die Antriebskette!

    Mit fröhlichen Grüßen aus Wien


    DSP

  • dsp:
    selber destillieren wäre denkbar - aber wozu der Stress, wenn auf Arbeit die Nachbarabteilung ein Öllabor ist und ich nur den lieben Kollegen morgen auf der Betriebsfeier ein paar Bier spendieren muss, dann jagen die mir das durch den Gaschromatographen und machen vielleicht auch noch eine Kalibrierkurve (gezieltes Beimischen von Sprit in Frischöl und dann jeweils Viskosität messen). :grins:


    Idler:
    Kurbelgehäuseentlüftung ist ein interessanter Ansatz - kann mir das zwar bei der Airbox und der Lage des Entlüftungsschlauchs nur schwer vorstellen - andererseits hab ich im Job letztens einen Mortor gehabt, da hat sich die Strömungsrichtung im Ansaugtrakt bei bestimmten Lastzuständen komplett umgekehrt, der hat aus einem Lufi geblasen! (ok, Großdiesel mit vier Ladern is a bissl was anderes wie unsere kleinen Scheißer - ich hätts vorher aber auch nicht für möglich gehalten...).
    Hat schon mal jemand einen Wollfaden an die Stelle gehalten, als er seinen Motor aufm Prüfstand hatte?


    Ich werde das einfach weiter beobachten - in zwei Wochen gibts a kleine Alpentour :peace: (fahren is eh besser als tippen), dann wir einfach noch a Probe gezogen...

    wir sind viele - ich bin alle !

  • Falls einer vorhat, die Motorentlüftung nach außen zu verlegen, dann bitte den Schlauch mit einen kleinen Filter versehen, sonst kommt Staub in den Motor.

    Facharzt für Flachbaggerheilkunde

  • Vielleicht beim Flachbagger,
    aber bei allen anderen Motoren nicht,
    ausser beim Abkühlen: Dann saugt der Motorentlüftungsschlauch gaaaanz laaangsam an.


    Der kleine Filter, von dem Idler spricht,
    soll einfach den Ölnebel auffangen, der im Motorrad sonst für Ferkeleien sorgert.
    (Bei den kettenlosen Guzzis haben wir den Schlauch einfach bis an die Oberkante des Kennzeichens verlängert.)


    Der von gnarz beschriebene Effekt kommt von den Schwingungen im Einlasstrakt:
    Am Prüfstand kann man bei offenen Ansaugtrichtern und Vollast beobachen,
    dass ein richtiger Spritnebel als große Wolke vor den Trichtern steht!
    Der Sprudel geht aber nicht verloren, sondern ist da drin quasi dynamisch eingeschlossen,
    wenn man aber die Hand reinhält, wird die feucht.

    Mit fröhlichen Grüßen aus Wien


    DSP

  • Ein sehr interessanter Fred wie ich finde, da möchte ich auch meinen Senf dazugeben. :zwinker:


    Ich fahre von der Firma aus sehr viel Auto, ein Passat 2L Diesel BJ'14. Andere Kollegen fahren das gleiche Auto, oft aber nur auf Kurzstrecken. Bei meinem ist es so, dass er quasi gar keine Stadt kennt. Seit dem ersten Kilometer habe ich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 88 Km/h, das sollte es noch mal verdeutlichen. Meist fahre ich über die A20 von Hamburg Richtung Neubrandenburg, wer die A20 kennt weiß dass man hier 300Km lang einfach Vollgas geben kann - Verkehr meist gen 0. in der Regel fahre ich nach Tempomat 220 Km/h (zwischen 110 und 120 Grad Öltemperatur, je nach Außentemperatur), oft quetsche ich ihn aber auch richtig aus. Dann geht die Temp auf bis zu 142 Grad hoch.
    Da er diese Zustände jede Woche mehrmals erlebt, habe ich selbst nach Serviceintervall von 30.000Km noch sehr gutes Öl. Meine Kollegen haben teilweise sogar das "Problem" dass sie plötzlich zuviel Öl im Motor haben, da sich Kraftstoffeinträge und Wasser ansammeln die nicht verdampfen können. Nach Aussage des Meister beim letzten Service, sei mein Öl noch in einem sehr guten Zustand, riecht gar nicht nach Kraftstoff und hat mit Nase und Gefühl meine messbaren Fremdeinträge. Nach seiner Meinung könnte ich mit dem Öl auch noch ein paar 1000Km fahren, bis die Additive ausbrennen. Es macht also doch einen großen Unterschied wie man fährt und vor allem wie warm das Öl wird! :Daumen hoch:


    Bei meiner 690SMC-R BJ'14 habe ich erst 1.700Km auf dem Tacho, deshalb kann ich da noch nicht viel zu sagen. Was ich aber sagen kann, man kommt die Öl Temperatur sehr wohl über 100 Grad. Gestern auf meiner Hausstrecke hat die digitale Öltemperaturanzeige (Stage6, siehe entsprechendes Fred) 114,8 Grad angezeigt. Ich war in guter Laune und hab sie mal so richtig hergenommen, tat ihr sicher gut. :peace:

    990 SD,350 EXC-F SD,690 SMC-R,1290 SDR'15
    899 Panigale
    1290 SDR'17
    300 EXC-SD'18

  • Morty,
    du weisst wie man Motoren behandelt:
    Zu lasche Behandlung (mit mangelnder Wartung und fehlendem Warmfahren) ist WEIT schädlicher
    als an richtige, widmungsgemäße Belastung.

    Mit fröhlichen Grüßen aus Wien


    DSP

  • Das ist mir klar, es gibt sogar Motoren die es bei guter Wartung eher abkönnen richtig gefordert zu werden als ständig nur daher zu rollen.
    Meine SMC bekommt nach spätestens 5.000Km frisches Öl und be JEDEM Service werden die Ventile kontrolliert, das mache ich auch bei der EXC so. An Wartung mangelt es bei mir nicht und warm gefahren werden sie auch. Frühestens ab 75 Grad gibts richtig Feuer, was übrigens gerade bei der 690er extrem lange dauert!

    990 SD,350 EXC-F SD,690 SMC-R,1290 SDR'15
    899 Panigale
    1290 SDR'17
    300 EXC-SD'18

  • Hi,


    bei meinem Auto konnte ich ein solchen "Benzineinbruch" schon erleben.
    Bin mal am Anfang eines Urlaubs nur Kurzstrecken gefahren und ein paar Tage später dann mit dem Auto in den Urlaub gefahren wo er richtig lange warm wurde.
    Nach den paar Tagen Kurzstrecken wollte ich den Ölstand nochmals testen, vor der großen Fahrt.
    Da war am Einfülldeckel oben so "gelbliches Öl" wie man es kennt wenn die Kopfdichtung defekt ist. Das ganze roch aber stark nach Benzin!
    Nach der Urlaubs hinfahrt konnte ich dann erstmal 0.5L nachleeren und der gelbliche rand war weg...


    Bei meiner SMCR habe ich aktuell eher das Problem, dass die auf 200km ca. 0,3L Öl wegsäuft :motzki: , ich glaube da bleibt also kein Beinzin im Öl übrig.


    Grüße