Mal eine OT-Frage: Woran liegt das eigentlich, dass manche Motorräder die Kette so malträtieren und andere nicht?
Hallo,
da gibts viele Gründe, die treten meist im Rudel auf:
Während eines Arbeitsspiels hast ja die 4 Takte, nur im Arbeitstakt (jetzt 1 Zylinder) gibt der Motor Leistung ab, für die 3 anderen Takte müss die Energie dafür irgendwoher kommen. Heisst auf 180 Grad hat Leistung, auf die anderen 540 Grad bis zum nächsten Arbeitstakt nicht. Das gibt einen unrunden Motorlauf. Da kanns man jetzt gegensteuern, z.B. über Schwungmasse. Hast Du viel davon läuft der Motor ruhiger, dreht aber nicht so spontan hoch wie einer mit weniger Schwungmasse. Du kannst auch einen weiteren Zylinder an den Motor bauen, dann hast nicht wie beim Einzylinder alle zwei Kurbelwellenumdrehungen einen Arbeitstakt sondern zwei Arbeittakte. Dadurch wird der Motorlauf dann gleichmässiger. Wenn Du nachher bei einem 1-Zylinder bist, hast Du gleichmässigen Rundlauf auch ohne Schwungmasse. Es gilt also: Um einen Runden Motorlauf zu haben, brauchst entweder viele Zylinder oder viel Schwungmasse.
Nun ist Rundlauf ja nicht das einzige Konstruktionsziel, wenns auf LEistung und spontanes Hochdrehen ankommt, dann kann man zu Gunsten der Leistung auf Rundlauf verzichten. Bei Rennmotoren ok, aber einen dayly driver willst Du so nicht haben. Also gibts einen Kompromiss.
Die modernen Einzylinder und auch Zweizylinder haben jedoch aufgrund der Auslegung als Sportmotor den Focus eher auf Leistung denn auf Fahrkomfort. Dazu kommt, dass diese Motoren schon ab Leerlaufdrehzahl richtig Dampf haben. Nutzt aber nix, wenn Du unter der Drehzahl bist, bei der der Motor so hoch dreht, dass die einzelnen Arbeitstakte nicht mehr spürbar sind.
Wenn man jetzt einen geilen Sporteinzylinder, z.b. den allseits geliebten 690er, mal mit niedrigen Drehzahlen fahren mag, dann klappt das nicht gut, 80 km/h im 6. Gang, z.B. in Frankreich oder der Schweiz, da hackts schon arg auf der Kette. Der Motor hätte bei den Drehzahlen schon genug Leistung um das Motorrad zu bewegen, aber der Rundlauf ist so bescheiden, dass es den gesamten Antriebsstrang auf dauer kaputtschlägt. Man kann dann runterschalten, aber mit 5000 Umdrehungen bei 80 km/h, das macht mir zumindest keinen Spass. Da ist aber jeder anders empfindlich.
Deshalb ziehe ich einen sanften Motor für Urlaub und täglichen Einsatz vor, den 690er dann lieber für freies Fahren.