Wie verstellen sich Ventile?

  • Hi! Wie verstellen sich eigentlich Ventile? Wird das Ventilspiel eher kleiner mit der Zeit oder eher größer oder ist sogar beides möglich?

  • Das Ventilspiel wird mit der Zeit größer


    Nicht zwingend. Der Ventilsitz kann sich setzen, er kann sich einarbeiten, das Ventil kann sich bei zu hohen Temps "zusammenziehen", etc.
    Habe während meinen knapp 10 Jahren beim Motorinstandsetzer so ziemlich alles gesehen.


    Bei einem heutigen Tassenstösselantrieb würde ich eher auf Ventilspiel wird tendenziell kleiner tippen.
    Hier gibt es ein paar eindrückliche Bilder:
    http://www.google.ch/search?q=…EQ_AUoAQ&biw=1424&bih=848

    MoGG #577:
    Ist der Hagel zu hart, bist du zu weich. Croce Domini 2013

  • Das Ventilspiel wird mit der Zeit größer


    genau andersrum. Die Ventile arbeiten sich mit der Zeit in die Ventilsitze ein und das Spiel wird kleiner.
    Da es kein Ventilspiel gibt, was kleiner als 0 ist würde irgendwann das Ventil nicht mehr schließen und könnte somit keine Wärme mehr an den Zlinderkopf abgeben. Effekt ist dann ein durchgebranntes Ventil und das ist :kacke:
    Daher sollte man (IMHO) beim Ventilspiel einstellen immer in Richtung Grösstmaß orientieren.


    .

    Gruß
    der OLLI


    Wenn mich jemand fragt: "was geht ab?" male ich ihm ein Kreuz auf die Stirn und antworte: schwarzer EDDING schon mal nicht!

  • Dann hätt ich noch die Frage beim Ventileinstellen muss die Lehre einfach durchziehbar sein nur mit leicht schleifen oder mit etwas druck einschieben?


  • genau andersrum. Die Ventile arbeiten sich mit der Zeit in die Ventilsitze ein und das Spiel wird kleiner.
    Da es kein Ventilspiel gibt, was kleiner als 0 ist würde irgendwann das Ventil nicht mehr schließen und könnte somit keine Wärme mehr an den Zlinderkopf abgeben. Effekt ist dann ein durchgebranntes Ventil und das ist :kacke:
    Daher sollte man (IMHO) beim Ventilspiel einstellen immer in Richtung Grösstmaß orientieren.


    .


    Das ist der eine Grund. Ein anderer Grund ist die Anlauf- und Ablauframpe der Nockenwelle (NW). Diese Rampe ist auf ein gewisses Spiel eingestellt.
    Wird dieses Spiel zu gross oder klein, dann entsteht an der Nocke - Tassenstössel ein Hammerwerk. Bei zu grossem Spiel ist das vernichtend,
    ebenso bei zu kleinem oder gar kein Spiel, wie olli4321 sehr gut erläutert hat. Das verbrannte Gemisch zischt dann wie ein Schweissbrenner durch den Spalt.
    Dabei entsteht der gleiche Effekt wie bei einem Schneidbrenner.


    @Platinum
    Ich bevorzuge das leichte Durchschieben mit leicht fühlbarem Widerstand. Aber die Lehre nicht durchwürgen.
    Aber das sind Gefühls- und Erfahrungswerte.

    MoGG #577:
    Ist der Hagel zu hart, bist du zu weich. Croce Domini 2013

  • Dann hätt ich noch die Frage beim Ventileinstellen muss die Lehre einfach durchziehbar sein nur mit leicht schleifen oder mit etwas druck einschieben?


    irgendwo zwischen "leicht schleifen und etwas Druck"

    Gruß
    der OLLI


    Wenn mich jemand fragt: "was geht ab?" male ich ihm ein Kreuz auf die Stirn und antworte: schwarzer EDDING schon mal nicht!

  • Jedes Mechanisch Thermisch Belastete Bauteil unterliegt Verschleiss !
    In Form von Material Abtrag, Dehnung ,Stauchung etc somit ergeben sich im Betrieb Toleranz Abweichungen die mit der Zeit halt Korrigiert werden müssen !

  • So richtig peil ich das immernoch nicht : Wieso macht man es bei den Motorrädern nicht wie beim Auto ? Da hab ich noch nie bei irgendeinem das Ventilspiel einstellen lassen ?

  • So richtig peil ich das immernoch nicht : Wieso macht man es bei den Motorrädern nicht wie beim Auto ? Da hab ich noch nie bei irgendeinem das Ventilspiel einstellen lassen ?


    Dann hattest Du noch kein Auto, bei dem das einstellen nötig war :grins:
    Die "moderneren" Autos haben Hydrostössel. Da entfällt das einstellen. Allerdings sind bei Hydrostößeln konstruktionsbedingt keine hohen Drehzahlen möglich.

    Gruß
    der OLLI


    Wenn mich jemand fragt: "was geht ab?" male ich ihm ein Kreuz auf die Stirn und antworte: schwarzer EDDING schon mal nicht!

  • Das wären dann die hydraulischen Ventile. Sie bieten mehr Komfort oder anders gesagt sind sie wartungsfrei.


    Bei leistungstarken und hochdrehenden Motoren werden aber bevorzugt normale Ventiltriebe verwendet.
    Die Schwung- und bewegten Massen können so reduziert werden.


    Edit: Der Olli war wieder eine Minute schneller. :zwinker:

    MoGG #577:
    Ist der Hagel zu hart, bist du zu weich. Croce Domini 2013

  • Hallo zusammen


    Ventilspiel kann sich verkleinern durch


    einarbeiten in den Sitz
    längen des Ventilschaftes
    mechanisches lösen des Einstellmechanismus
    thermische Gründe


    vergrössern


    Verschleiss
    mechanisches lösen des Einstellmechanismus


    Ventilspiel ist notwendig um jederzeit zu gewährleisten das das Ventil im Sitz schliest ,denn gerade beim Auslassventil wird nur und ausschlieslich die Wärme durch den Sitz abgeführt.
    Bei der LC4 beginnen die A.Ventile ab ca. 6000 1 /min rot zu glühen.


    Auch beginnen Ventile bedingt durch Beschleunigung und abbremsen ab einer bestimmten Drehzahl zu flattern ,dieses flattern ist extrem Materialmordent und benötigt ein korrektes Spiel um nicht zum Abriss zu führen.


    Hydrostösel : Ventile werden über Öldruck permanent auf 0 Spiel gehalten ...teuer und aufwendig ...benötigen auch etwas mehr Platz ..bei der 650 cm3 Honda waren drehzahlen bis 10 000 1 /min möglich.



    In der Formel 1 werden die Ventile per Druckluft geöffnet und geschlossen .. gilt als eytrem Drehzahlfest


    der Vergleich eines Ventiltriebes mit einem Hammerwerk war sehr treffend beschrieben ....



    Gruss


    TT


    Ach so .es ist gut möglich das ich in der obigen Beschreibung was vergessen habe..

  • In der Formel 1 werden die Ventile per Druckluft geöffnet und geschlossen .. gilt als eytrem Drehzahlfest


    Das ist ein weit verbreitetes Märchen. Pneumatische Ventilsteuerung (wie sie z.B. bei Formel1 Motoren verwendet wird) bedeutet, daß das Ventil über die Nockenwelle geöffnet wird, aber keine Feder zum schliessen hat. Da arbeitet die Nockenwelle, gegen eine Luftkammer die das Ventil wieder in die geschlossene Position bringt.
    Hat den Vorteil, daß bei hohen Drehzahlen die Eigenschwingung des Ventils gegen die Feder reduziert wird.

    Einmal editiert, zuletzt von Möter ()

  • Rischtisch. Ich weiss gar nicht, ob man bei den Drehzahlen mit einer pneumatischen Steuerung überhaupt was Gscheites hinbringen würde.
    Aber turbotom hats sicher auch so gemeint.

    MoGG #577:
    Ist der Hagel zu hart, bist du zu weich. Croce Domini 2013

    Einmal editiert, zuletzt von AirfoX ()

  • Turbotom verwechselt Kupplung mit Ventilen :kapituliere: ; F1-Motoren werden mit Pressluft gekuppelt :ja: hab ich selber vor ein paar Wochen in einem F1-Rennstall gesehen :amen:
    Im Fall, der Kupplungskorb ist etwa so gross wie bei unseren :Kürbis::staun: richtig niedlich :tröst: kein Wunder, gehen die ab und zu kaputt :weinen:
    Im übrigen stimmt es, das das Ventilspiel tendenziell kleiner wird bei unseren Motörchen :ja:
    Gruss
    hitch

    Dirty deeds :wheelie: , done dirt cheap :peace::teuflisch:

  • Hitch, der Turbotom sieht das schon richtig. Anstelle der Feder wird in der Formel 1 und übrigens in der DTM das Luftkissen verwendet.


    Wer eine Diss durchlesen will, ab S45ff steht das Ganze haarklein erklärt:
    http://www.google.ch/url?sa=t&…rDHCqLSZYw8TdqHlA&cad=rja


    Hier die Kurzversion:
    http://www.motorradonline.de/d…/motogp-wm-vorschau/79028


    Desmodronik bei Ducati ist übrigens auch sehr interessant.

    MoGG #577:
    Ist der Hagel zu hart, bist du zu weich. Croce Domini 2013

  • Desmodromik also Zwangssteurung, ist in meinen Augen eine Super Sache. Rein mechanisch und Jahre lang erprobt. Allerdings auch wartungsintensiv.

  • Meine alte Karre war Baujahr 1999 und mussten alle 100.000 km die Ventile eingestellt werden. Gut, der Intervall ist etwas größer als beim Motorrad. :grins:


    Wenn ich von der Wartung komm hört man das Ventilgeklapper jedenfalls wieder wenn sie wohl auf den oberen Wert eingestellt wurden. Hört man schon raus find ich. Nach 15.000 km auch merklich leiser. Bei der 30.000er Wartung mussten bei mir alle Ventile eingestellt werden... :alter schwede:


    Schön wars noch bei der DR Big, da konnte man die Ventile relativ bequem einstellen ohne das man das halbe Motorrad zerlegen muss. Das find ich bei der 990er schon ein bissl krätzig und hält mich davon ab die Wartung selbst zu machen. Auf so viele Stunden Schrauberei hab ich keinen Bock.


    Mein nächstes Motorrad braucht noch ein paar Jahre aber steht jetzt schon fest das es wohl keine Ventileinstellung braucht weil ichs mir schon ausgesucht hab. Ist dann keine KTM mehr aber dafür kommt dann was leichtes oranges fürn "Spaß im Gelände" her. :grins:
    Da werd ich evtl auch die Wartung wieder selber machen.

    "Die Oberpfalz hat Zoiglbier und wer es trinkt, wird schön wie wir... " (N. Neugirg)