Probefahrt - Vergleich:
Suzuki V Strom 800DE, Husquarna Norden Expadition, VS meine KTM 790 ADV (S) 2019
Ich möchte euch an meinen Erfahrungen zu meiner gestrigen Probefahrt mit den beiden erstgenannten Mopeds teilhaben lassen. Hintergrund ist, dass meine Kinder langsam flügge werden und nun meine Sozia wieder öfters mit on tour sein wird. Somit kann etwas mehr Sosia- und Tourenkomfort sprich bequemere Sitzbank und eine sanftere Motorcharakteristik nicht schaden. Trotzdem möchte ich auf „Offroadqualitäten“ und den Spaß bei der schnellen Hausrunde nicht verzichten.
Kurz zu mir und meinem Motorrad:
Ich bin 187 groß bei 85 kg.
Meine KTM 790 (S) von 2019 fahre ich mit folgendem Zubehör (habe nur die für den Vergleich relevanten Dinge aufgelistet):
- Touratechsitzbank hoch (gerade Sitzbank ohne Kuhle), etwas komfortabler als Serie und PP Rally Sitzbank
- SW Motech EVO Fussrasten, 1,5 cm tiefer
- 450 Rally Lenker, höher und weniger Backsweep
- Lenkererhöhung + 25 mm
- Puig Racing Windschild mit Touratech EVO Spoiler
- One Finger Clutch mit Renngrip Kurze Brems-, Kupplungshebel
- als Fahrmodi Onroad nutze ich „Rally“, Gasannahme Street, Traktionskontrolle 7
- 15er Ritzel
- Endtopf Storm oval ~ 20t km gelaufen, present, nicht störend, sound ähnlich dem Remus
Zu den Probefahrten:
Ich durfte die Susi und die Huski je eine halbe Stunde fahren. Besten Dank hier an Motopro Augsburg und den netten Verkäufer. Soweit nicht anders erwähnt hab ich alle Fahrmodi, Fahrwerk auf „Standard“, wie vom Händler übergeben gelassen. Da für mehr keine Zeit war. Beide haben einstellbare Fahrwerke und verschiedene Modi. Die Fahrt ging 90% über Landstraßen.
Suzuki V Strom 800DE:
Mal gleich vorne weg, das Ding is einfach sau bequem. Am liebsten hätte ich mir die Sitzbank als Hocker mit nach Hause genommen. Die Probefahrt war zwar auf nur eine halbe Stunde je Moped begrenzt und die Sitzbank hat einzelne Mulden ausgeformt, was ein vor- und zurückrutschen auf Langstrecke vereitelt. Aber es hat wie die Faust auf´s Auge zu meinem Arsch gepasst. Nicht mal auf der 1200 GS 2017 bin ich so gut gesessen. Beim kauf würde ich bei meiner Größe zwecks Kniewinkel und aufstehen zum Offroad jedoch auf die hohe Sitzbank umrüsten. Die Sitzposition ist weiter hinten und wesentlich weniger Vorderrad orientiert als auf meiner 790er. Klingt komisch, aber es kam mir sofort beim draufsitzen meine Probefahrt (lang ist´s her) mit der BMW R1200 S (!!!) in den Sinn. Der Motor läuft sehr durchzugsstark und im Vergleich seidig weich. Allerdings fehlt oben raus der Punch. Gefühlt hätte ich dem Motor (84PS) 15 Pferde weniger attestiert als meiner Kati (95PS). Da die Gasannahme eh schon auf „A“ (Aggressiv?) eingestellt war, würde ich die fehlende Power auf Dauer vermutlich vermissen. Bei flotter fahrt (140 km/h) war ich versucht den siebten Gang einzulegen. Zwar dreht die V Stom da auch nur mit ~ 6-6500 Umdrehungen, wobei sich die Pierer Modelle (meine 15 Ritzel) hier gerade mal im wohl fühl Bereich befinden. Zudem baut sie genau hier feinfrequente nervige Vibrationen auf welche auf längeren Etappen sicher zu tauben Gliedern führen. Natürlich rumort es auch bei meinem Kürbis teils kräftig, aber es sind viel gröbere Vibrationen welche ich nicht als unangenehm empfinde. Zudem waren an der Susi auch noch die Fussrastengummis drin, ohne dürfte es nicht besser werden. Wo ich meine für besseren Durchzug von unten kürzer Übersetzt habe, würde ich bei der DE den gegenteiligen Weg wählen. Die Kupplung geht schön leicht und weniger ruppig ans Werk. Der Quickshifter hat einen sehr harten Druckpunkt, funktioniert aber im trio an besten. Das Fahrwerk ist standardmäßig eher weich eingestellt. Spricht sauber an, ist zwar noch etwas stukkrig bei Unebenheiten aber eine ganze Ecke weniger als die 790 und nicht so sportiv. Irgendwie fühlt sich das Ganze wie eine kleine GS an (was durchaus im positiven Sinn gemeint ist) und fährt sich sehr smooth. Die Bremsen sind ok, etwa gleich mit der Husquarna und gefühlt etwas besser als bei der ADV. Meine verflossene GS konnte das aber auch schon besser (andere Preisklasse). Für´s stehend fahren sind mir der zu tiefe Lenker und der doch wesentlich größere Tank aufgefallen. Der „Offroad“ bestimmt stark die Agilität einschränkt. Die in Tests viel besagte geringe Schräglagenfreiheit konnte ich auf der kurzen Runde nicht erfahren. Der Windschutz, obwohl bereits das Tourenwindschild montiert war, war für meine Größe unpassend. Abrisskante genau am Helm, vielleicht mit hoher Sitzbank wieder besser, aber im Vergleich am schlechtesten. Auspuffsound mag für Nebenstehende schön sein, ich hab ihn nicht mal an der Ampel wahrgenommen. Das Display sowie deren Einstellungen sind wie bei den anderen gut und einfach zu bedienen. Die Haptik und Anmutung der Schalter und Bedienelemente gefällt mir von den dreien am besten.
Husquarna Norden 901 Expedition
Tja, wie hatte ich mich auf dieses Moped gefreut. Schon beim erscheinen hatte ich danach gefiebert, meinen Kürbis, ausgestattet mit allen Annehmlichkeiten, vernünftigem Motorschutz, Sozia- und Fernreisequalitäten und endlich dem „R“ Fahrwerk zu besitzen. So zu sagen die Eierlegendewollmilchsau. Wie das mit Träumen so ist, war nun mein Erstkontakt eher ernüchternd. Beim losfahren hätte ich sie fast abgewürgt. Die Gasannahme im Husky Standard Modus ist touristischer ausgelegt als bei der KTM- Schwester im Street Mod. Das durfte ich auch später beim Überholen auf der Landstraße mit plötzlichem Gegenverkehr feststellen. Man muss da schon wirklich am Griff drehen damit sich was tut. War für´s erste einfach ungewohnt, da ich mich von der 790 kommend gleich etwas heimelig fühlte. Und wie war das nochmal in den ganzen Testberichten zum 890er Motor. „Und nochmal ne kräftige Schippe drauf auf die 790er. Sowohl Drehmoment, Leistung als auch Laufkultur (20% mehr Schwungmasse)“. Mag vielleicht an dem Mehrgewicht der 901 oder an meinem 15er Ritzel liegen. Aber da is ja mal gar nix um, Punkt Komma Schluss. Was mich dann etwas aus dem Konzept geworfen hat, war die blecherne Klangkulisse um 4000 Umdrehungen und beim kräftigen herausziehen aus niedrigen Drehzahlen. Ein derart blechernes, lautes Klopfen bin ich nicht gewohnt. Hab Vorsichtshalber mal angehalten um den Ölstand zu kontrollieren. Definitiv ein unschönes Geräusch welches mir in besagtem Bereich extrem aufgefallen ist. Der Verkäufer meinte es könnte von dem massiven Alumotorschutz als Resonanzkörper kommen. Sollte dies zutreffen, meine hab ja nur die Standard Alufolie dran, würde ich nach Kauf umgehend gegen eine AXP Bodenplatte tauschen. Ansonsten ist der Motor für mich soweit bekannt. Rau, mag untertourig eher ungern, dafür geht ab der Mitte die Post ab. Nach wie vor war ich Innerorts eher im dritten als im vierten unterwegs. Wäre sie mein würde ich den Explorermode (Rallymode) mit einer direkteren Gasannahme nutzen. Der Quickshifter war am Vorführer sehr knochig, was ich vom Pierer- Konzern besser gewohnt bin. Hier dürfte neu anlernen Abhilfe schaffen oder das Getriebe ist mit 3t km einfach noch zu jungfräulich. Vom Endtopfklang gibt auch die Husky nur ein laues Lüftchen preis. Den hochgelobten Sitzkomfort konnte ich ihr beim kurzen Ausritt nicht statuieren. Gefühlt sitzt sich´s auf selben Niveau wie bei meiner TT Sitzbank. Die Susi schwebt hier auf einer anderen Wolke. Eine ausgiebige Tour würde hier sicher Klarheit schaffen, größe (Höhe) hat das Teil jedenfalls. Wie ich im Nachhinein auf den gemachten Bildern erkennen konnte war der Sitz in der hohen Position. Mit dem ausladenden Schrittbogen sind dann schon Plateauschuhe angesagt. In der unteren Rasterung (2 cm niedriger) wäre es für mich wohl passender und ähnlich wie bei meiner hohen TT Sitzbank (~91cm). Bremse, ja Bremse geht, Gabel taucht tief ein da Fahrwerk weich. Alles im grünen Bereich, mehr kann ich dazu eigentlich nicht sagen. Das Expedition Fahrwerk macht im Dreiervergleich den besten Eindruck, man merkt die hochwertigen Komponenten. Persönlich würde ich für die flotte Gangart noch etwas nach straffen. Eine Offroadrunde wäre hier natürlich auch sehr interessant gewesen (-; . Der Windschutz war für mich am besten und trotz hoher Sitzbankposition absolut ausreichend. Was hab ich an meiner 790 rumgedoktort um das annähernd so hinzubekommen. Trotz allem war die GS samt Wunderlich Marathon Windschild für den Winter schon nochmal ne gute Schippe angenehmer. Aufgefallen ist mir noch der Gefühlt sehr schmale Lenker. Hatte den meine Kati auch so in Serie? Denn eigentlich ist der 450 Rally Lenker doch nur Höher und hat weniger Backsweep. Dieser müsste wohl mit auf die Norden umziehen. Für´s stehend fahren ist auch hier die ausladendere Verkleidung von Nachteil. Was meine 790 unter den dreien zur Offroadkönigin macht.
So, was ist jetzt das End von der Geschicht?
Ich komm heim, schau in die erwartungsvollen Augen des Verkäufers, drück ihm die Schlüssel in die Hand und denk mir: „Alter, vielleicht lässt an der 790er doch noch die zweiteilige Seriensitzbank (Modell Deutsche Eiche) vom Sattler auf ne Soziataugliche Balsaholzvariante aufpolieren. Vielleicht wird doch noch mal am Fahrwerk (R o.ä.) gefeilt. Solange der Dreck spritzt is doch eigentlich nach wie vor alles geil an der 790er !!!