Plötzlich und unerwartet habe ich mich von meiner KTM 1290 SD-R 2.0 nach sieben zufriedenen Saison und fast 140.000km Fahrleistung getrennt.
Überraschend war es, weil ich mich seit einiger Zeit zwar mit den Gedanken befasst habe, mir nächstes Jahr ein neues Motorrad zuzulegen, doch ich bekam ein nicht abzulehnendes Angebot von meinen Händler für eine KTM 1290 SD-R 3.0 EVO und für meine KTM 1290 SD-R 2.0 hat er mir auch ein fairen Inzahlungsnahmepreis gemacht.
Trotz des Euphorismus habe ich mir eine Probefahrt mit der KTM 1290 SD-R 3.0 EVO nicht entgehen lassen und nach über zwei Stunden und mehr als 150km Fahrt war für mich die Entscheidung gefallen, die KTM 1290 SD-R 3.0 EVO ist das Richtige für mich.
In diesen Thread möchte ich meine Eindrücke mit euch teilen, die mich dazu bewogen haben auf die KTM 1290 SD-R 3.0 EVO umzusteigen, obwohl ich beim Erscheinen der Maschine einige Bedenken hatte:
1. Kleinerer Tank von 16 Liter statt 18 Liter
2. Sportlichere Ergonomie / Sitzposition
3. 200er Hinterreifen der weniger Auswahl ermöglicht
Die drei Punkte haben mich eigentlich davon abgehlaten mich näher mit der KTM 1290 SD-R 3.0 zu befassen, doch die Probefahrt hat mich in einigen anderen Punkten überzeugt.
Bei meinen zum Teil subjektiven Eindrücken bitte ich zu berücksichtigen, dass meine aktuelle KTM 1290 SD-R 2.0 bereits über 80.000km auf dem Tacho hat und nicht auszuschliessen ist, dass hier und da der Motor, das Fahrwerk und auch die Konstruktion nicht mehr den Neuzustand entspricht. Nichts desto trotz, ich habe die Maschine jährlich zu meiner KTM Vertragswerkstatt zur Inspektion gehabt und in all den Jahren gab es keine technische Beanstandungen.
Eindrücke zum Motor
Ob nun 180PS oder 177PS, bzw. 140Nm oder 142Nm, das wird sich in der Praxis nichts nehmen und so ist es auch gewesen. Beide Version liefern mehr als genug Leistung, wobei gefühlsmäßig die KTM 1290 SD-R 2.0 etwas dramtischer oder "biestiger" zur Sache geht, wenn man an den Gasgriff zieht. Die KTM 1290 SD-R 3.0 EVO wirkt etwas sampfter jedoch dadurch drehfreudiger.
Im Stand oder bei niedrigen Drehzahlen, wirkt der KTM 1290 SD-R 2.0 Motor etwas charaktervoller, spricht man spürt ihn etwas stärker und das macht sich beim Sound auch bemerkbar. Geht es in höhere Drehzahlen, ist der Sound aus meiner Sicht bei der KTM 1290 SD-R 3.0 EVO gefälliger und wirkt präsenter bzw. sonorer als bei der KTM 1290 SD-R 2.0.
Obwohl gesagt wird, dass der Motor der KTM 1290 SD-R 3.0 EVO etwas vibrationsärmer laufen soll, macht sich das im alltäglichen Gebrauch weniger bemerkbar. Beide Motoren laufen für ein V2 recht ruhig im 3. Gang bis runter auf ca. 40kmh. Darunter wird es etwas ruppiger und beide Motoren neigen im Stadtverkehr bei Schiebebetrieb zu leichten ruckeln oder stottern.
Ein weiterer Unterschied ist die gefühlte Motorbremswirkung, die ich gerne für mein eher runden Fahrstil benutze, z.B. bevor ich in Kurven fahre. Diese ist mein Empfinden nach mit der KTM 1290 SD-R 2.0 etwas stärker, soll heißen der Geschwindigkeitsverlust ist höher als bei der KTM 1290 SD-R 3.0 EVO. Bei dieser habe ich mich dabei ertabt öfters in die Bremse zu gehen als mit der KTM 1290 SD-R 2.0. In wie fern das tatsächlich so ist wird sich noch zeigen.
Mir persönlich gefallen beide etwas unterschiedliche Auslegungen und sie konnten mich auf ihre Art überzeugen.
Erfahrungen zur Ergonomie
Wenn man von der KTM 1290 SD-R 2.0 kommt und sich auf die KTM 1290 SD-R 3.0 EVO setzt, ist sofort die sportlichere Ausrichtung bemerkbar. Wie ich bereits sagte, war das ein Punkt, der mich in der Vergangenheit dazu veranlasst nicht auf diese Maschine zu schauen.
Die Probefahrt hat mich eines Anderen belehrt und gezeigt, dass man mit der KTM 1290 SD-R 3.0 EVO sehr wohl bequem und lange fahren kann, ohne dass man unruhig auf eine nächste Pause wartet. Das hat mich überrascht und ehrlicherweise auch gefreut.
Und noch was hat mich überrascht und darauf war ich eigentlich nicht gefasst, nämlich die etwas bequemere Beinwinkelposition, auf die ich im Moment aufgrund einer Knie-OP sehr empfindlich reagiere. Bei meiner KTM 1290 SD-R 2.0 scheint der Kniewinkel etwas ausgeprägter zu sein und seit der Knie-OP habe ich dadurch etwas Probleme meinen Fußballen auf der Raste zu halten oder zu bekommen ( es ist das linke Beim, also Gangschalterseite ). Zudem kommt noch das Gefühl hinzu, dass ich öfters eine Pause machen sollte oder ich das Bein etwas entlasten muss. Das ist mir mit der KTM 1290 SD-R 3.0 EVO nicht aufgefallen. Ich bin ununterbrochen fast zwei Stunden und ca. 150km gefahren, ohne das Gefühl zu haben, das Knie etwas schonen oder entlasten zu müssen.
Alles in Allen, finde ich die Ergonomie der KTM 1290 SD-R 3.0 EVO angenehm, passend um längere Touren damit zu fahren und somit kann ich sagen, beide liegen trotz unterschiedlicher Ausrichtung für mich gleich auf.
Eindrücke zum Fahrwerk
Wie gesagt, meine KTM 1290 SD-R 2.0 hat über 80.000km Laufleistung, wurde aber jährlich bei KTM gewartet und ich habe die Federvorspannung nach Empfehlungen auf mein Körpergewicht eingestellt und die Dämpfung auf Sport.
Das habe ich bei der KTM 1290 SD-R 3.0 EVO vorab auch so eingestellt um Vergleiche so fair wie möglich zu machen. Das war schon eine tolle und einfache Sache über die Displaymenues das zu erledigen. Kein Klickszählen notwendig oder Werkzeug um die Federvorspannung zu justieren.
Ich bin viele Streckenabschnitte gefahren, die ich bei uns in der Gegend gut kenne und oft fahre. Das Fahrwerk der KTM 1290 SD-R 3.0 EVO ist eindeutig besser als das der KTM 1290 SD-R 2.0. Die semiaktive Regelung passt sich selbst im Sportmodus bestens den Straßenverhältnissen an, wirkt nicht so holprig wie die KTM 1290 SD-R 2.0, vermittelt dadurch beim Anbremsen von Kurven mehr Vertrauen und taucht auch nicht so tief ein, was das anschliessende Durchfahren der Kurven wesentlich angenehmer und sicherer wirken lässt. Zudem kommt noch hinzu, dass die KTM 1290 SD-R 3.0 EVO viel agiler und handlicher daher kommt. Sie vermittelt mir ein ähnliches Gefühl einer KTM 790 Duke, die wir in der Familie lange besessen haben, ein etwas größeres "Skalpell". Das vermittelte Vertrauen hat allerdings aus meiner Betrachtung auch eine Kehrseite, nämlich, es verleidet mehr zu ein "Ready to Race"...
Fazit des Vergleichs
Die KTM 1290 SD-R 3.0 EVO hat mich insbesondere von den Fahreigenschaften überzeugt und da liegt sie weit vor der KTM 1290 SD-R 2.0. Das war für mich objektiv gesehen der Wesentliche Vorteil den den Unterschied ausgemacht hat und natürlich auch das besondere Angebot, das es zur Zeit gibt. Nichts desto trotz, wären mir bei der Probefahrt Dinge aufgefallen, die mir nicht zugesagt hätten, hätte ich die Umstellung nicht gemacht.
Desweiteren hat mich endlich das Display und dessen Darstellung überzeugt, denn bei der KTM 1290 SD-R 2.0 machte das Gesamtbild einen eher minderwertigen und einfachen Eindruck. Dabei störte mich an meisten die sehr grobe Drehzahlskalierung von 500rpm Schritten. Das war ein ständiges Gezappel am Display und für mich ein Armutszeugnis für das Topmodell in seiner Baureihe. Zum damaligen Kaufzeitpunt in Jahr 2017 besaß selbst die KTM 390 Duke ein wertigeres Erscheinungsbild. Zudem kommt noch hinzu, dass die Ablesbarkeit auf dem Display der KTM 1290 SD-R 3.0 EVO wesentlich besser ist.
In wie fern der kleinere Tank beim Touren zum Nachteil wird, wird sich noch zeigen. Auf der Probefahrt habe ich ca. 6,6 l / 100km verbraucht; nicht nach Anzeige, sondern vollgetankt bei Abfahrt- und Rückgabe und das bei recht forzierter Fahrweise. Üblicherweise bin ich etwas ruhiger unterwegs und gehe davon aus, dass der Verbrauch im Bereich dessen liegt wie bei meiner KTM 1290 SD-R 2.0. Mit diesen Motorrad leuchtet die Reserve bei ca. 250km auf. Rein rechnerisch nach Dreisatz müsste das bei der KTM 1290 SD-R 3.0 EVO bei 220km der Fall sein. Damit könnte ich auch leben.
Bleibt noch die Hinterradbereifung, denn mit einen 200/55 ZR17 ist die Auswahl recht beschränkt und man findet eher nur Sportreifen, die erfahrungsgemäß bei mir ca. 3000km halten. Das ist mir etwas wenig, da ich ca. 15.000km im Jahr fahre. Ich werde versuchen mir beim TÜV auch die 190/55 ZR17 eintragen zu lassen, so wie es einige User im Forum getan haben. Ich hoffe es klappt weil man so auf eine größere Vielfalt von reifen Zugriff hat, die auch bis zu doppelte Lebensdauer besitzen.
Ansonsten kann ich nur sagen...
Farewell KTM 1290 SD-R 2.0...
Welcome KTM 1290 SD-R 3.0 EVO...
P.S. Gestern war es soweit und ich konnte meine neue KTM 1290 SD-R 3.0 EVO abholen und ich habe mich natürlich auf eine erste Fahrt mit ihr gemacht. Zuvor habe ich beim Händler mich etwas mehr mit der Fahrwerkseinstellung beschäftigt, die Federvorspannung auf STANDARD gestellt, die Dämpfung auf STREET, wie auch den Fahrmodus auf STREET, statt SPORT wie ich es auf der KTM 1290 SD-R 2.0 hatte. Was soll ich sagen, die Fahreindrücke der Probefahrt, selbst jetzt wo man sie noch nicht ganz ausfahren kann, sind auch in dieser etwas gezähmteren Einstellung geblieben und gefallen mir für unsere Straßenverhältnisse sehr gut.
Mein Händler hat mir desweiteren eine Lenkererhöhung um 2cm eingebaut, die eine etwas entspanntere Sitzposition ermöglicht, aber der Agilität und einfachen Handling nichts nimmt. Das gefällt mir und werde es im Moment so lassen.
Einzig das Thema der 200er Reifen ist bei mir als kleines Manko geblieben, denn unserer TÜV war nicht bereit 190er Hinterreifen einzutragen, mit der Begründung es entspräche nicht den internen Richtlinien. Wenn andere TÜV-Stellen das freigegeben haben, dann würde der TÜV-Prüfer in Zweifel in die Verantwortung gezogen und das würden sie bei uns nicht machen. Also, muss ich wieder Reifen finden, die etwas längere Laufleistung aufweisen und die Auswahl ist nicht groß...
Wie auch immer, das nimmt mir nicht die Freude an meiner KTM 1290 SD-R 3.0 EVO und ich freue mich auf viele KM mit ihr
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